Irak-Experten erwarten Angriff der USA im Mai

17. März 2002, 19:20
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US-Vize Cheney: Spekulationen sind "Luftblase" - Blair unter Druck

London/Wien - Für führende Nahostexperten steht ein US-Militärschlag gegen den Irak unmittelbar bevor: Amatzia Baram, israelischer Irak-Kenner und Berater der US-Regierung, spricht im STANDARD-Interview von einem Angriff auf den Irak noch im Mai - wenn Saddam Hussein weiter keine UN-Inspektoren in sein Land lässt. Der Direktor des renommierten Hamburger Orient-Instituts, Udo Steinbach, hält eine Militäraktion bereits für beschlossene Sache, es sei nur noch "eine Frage der Zeit" bis die USA zuschlügen. Auch für Steinbach fällt der Kriegstermin in den Mai.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bereitet sich ebenfalls auf eine kriegerische Auseinandersetzung vor: Im iranisch-irakischen Grenzgebiet werden bestehende Kapazitäten in Flüchtlingslagern für 30.000 Menschen auf 180.000 aufgestockt.

US-Vizepräsident Dick Cheney, derzeit auf Sondierungsreise im Nahen Osten, sagte in Bahrein, solche Spekulationen seien eine "Luftblase". In Großbritannien gerät indes Premier Tony Blair schwer unter Druck, weil ihm hohe Militärs und die Labour Party die Gefolgschaft für einen Irakfeldzug verweigern wollen. Der Irak setzt laut Vizepräsident Taha Jassin Ramadan auf Verhandlungen mit der UNO, um einen Angriff der USA abzuwenden.

Ein Krieg könnte die guten Wirtschaftsaussichten der EU trüben. Das prognostizierte Wachstum (drei Prozent) ist nur zu erreichen, wenn die Ölpreise stabil bleiben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. März 2002)

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