"Sleeping Point" als wichtigstes Kriterium für Fondsanleger

17. März 2002, 18:54
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Performance-Vergleiche sind nur beschränkt aussagefähig

Wien - Performance-Vergleiche von Investmentfonds sind heute ein beliebtes Spiel. Vergleicht man nun die Ergebnisse der diversen Ranking-Agenturen, sieht man, dass die Resultate stark variieren. Da die Agenturen nach verschiedenen Methoden und Kriterien urteilen, kommen sie auch zu unterschiedlichen Ergebnissen. Um Rankings wirklich verstehen zu können, muss man gut über Strategie und Kriterien der jeweiligen Agentur Bescheid wissen (Fondsalter, Volatilität, Spezialisierung, Qualität des Managements u.a.m.). Die Beurteilungskriterien müssen transparent, objektiv und nachvollziehbar sein. Dies fordert auch dem Investor einiges an Fonds-Wissen ab; nicht nur über Fonds selbst, sondern auch über die Arbeitsweise der Ranking-Agenturen.

Managementqualität

Ranking-Agenturen verwenden einerseits "harte" Faktoren - wie z.B. der bisherige Anlageerfolg, der sich aber nicht als Erfolgsgarantie für die Zukunft verwenden lässt - und so genannte "weiche" Faktoren, wie vor allem die Qualität des jeweiligen Fondsmanagements. Diese Einschätzungen sind einerseits subjektiv, andererseits nicht zu verallgemeinern: ein Fondsmanagement, das in einer bestimmten Marktsituation gute Erfolge erzielen konnte, könnte bei einer Drehung des Marktes durchaus "schief liegen". Dazu ist auch noch die starke personelle Fluktuation in dieser Branche zu beachten.

Eine einseitige Konzentration auf so genannte Top- fonds könnte dazu führen, dass die Zusammensetzung des Portefeuilles von den ursprünglichen Intentionen abweicht und dadurch die Risikostreuung vernachlässigt wird, was sich bei einer Drehung des Marktes negativ auswirken würde.

Untersuchungen über aussagekräftige Perioden zeigen, dass es für Topfonds eher wahrscheinlich ist, zu fallen (als in der Spitzengruppe zu bleiben), genauso wie es für Fonds am Ende der Skala eher wahrscheinlich ist aufzusteigen. Das hängt offensichtlich nicht nur mit der Psychologie der Fondsmanager zusammen, sondern auch mit geänderten Rahmenbedingungen auf den Märkten. Auf jeden Fall liefern derartige "Hitlisten" immer nur vergangenheitsorientierte Informationen. Aber die Entwicklung in der Vergangenheit kann niemals eine Garantie für einen zukünftigen Anlageerfolg sein.

Risikobewusstsein

Viel wichtiger als das Schielen auf Vergangenes ist, dass sich jeder Anleger Klarheit verschafft, welche Risken, in welchen Märkten und mit welchem zeitlichen Horizont er bereit ist, einzugehen, welcher Mix von Aktien, festverzinslichen Werten, Bargeld oder anderen Anlageformen (wie z.B. Immobilien) für seine ganz individuellen Bedürfnisse passt. Dafür kann es naturgemäß keine allgemein gültige Regel geben, aber man kann selbst den "idealen" Anlagemix am "Sleeping Point" messen: Das ist der Punkt, bis zu dem man immer noch ruhig schlafen kann, auch wenn sich die Finanzmärkte gerade nicht günstig entwickeln sollten. (Herbert Kaspar, DER STANDARD, Printausgabe 18.3.2002)

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