Fehlende Vollzugsgewalt

17. März 2002, 19:07
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BWA-Chef Goldmann setzt auf abschreckende Wirkung

Wien - Fünf Jahre lang war Thomas Goldmann Chef der Bundeswertpapieraufsicht (BWA), die den Kapitalmarkt kontrollieren sollte. Rechtliche Verfügungsgewalt hat diese Behörde keine, zudem leidet sie an chronischem Geldmangel - ihr Budget wird im Wesentlichen von den zu Kontrollierenden bestritten. Wie gut hat sich der heimische Kapitalmarkt entwickelt, fragte der Standard Thomas Goldmann, der mit April in die Privatwirtschaft wechselt.

STANDARD: Sie können mit der Entwicklung des heimischen Kapitalmarktes in den letzten Jahren eigentlich zufrieden sein . . .

Goldmann: Ja, aber die Standards sind noch nicht komplett. Es fehlt der Aufsichtsbehörde - demnächst also der Finanzmarktaufsicht - die Vollzugsgewalt. Mit der vermutlich im Mai verabschiedeten EU-Direktive gegen Marktmissbrauch, die auch Verwaltungsstrafen vorsieht, passiert aber ein wichtiger Schritt.

STANDARD: Wie ahnden Sie Fälle, wo Kurse hinaufgekauft werden oder bankenintern Kompensationsgeschäfte stattfinden?

Goldmann: Die Meldungen liegen bei uns und wir unterliegen der Amtsverschwiegenheit.

STANDARD: Die Sünder sollen also an den Pranger?

Goldmann: Ja, das schreckt ab. Der Fall AT & S hatte durch die Veröffentlichung im Internet und dann in den Medien breite Wirkung.

STANDARD: Bei Insidergeschäften oder illegalen Vermögensberatern können Sie aber die Fälle an die Gerichte übermitteln . . .

Goldmann: Dort bleiben sie aber meist liegen, die Folgen sind minimal. (kbau, DER STANDARD, Printausgabe 18.3.2002)

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    BWA-Chef Thomas Goldmann wechselt in die Privatwirtschaft.

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