Suche nach Lösungen für Kirch

17. März 2002, 17:15
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Neues Gespräch mit Gläubigerbanken

München - Die Bemühungen zur Rettung des angeschlagenen deutschen Kirch-Konzerns laufen weiter auf Hochtouren. Am Sonntag wollten die Kirch-Krisenmanager und die Gläubigerbanken erneut über einen Ausweg aus der Krise verhandeln. Dabei sollte es offenbar unter anderem um die mögliche Trennung von Unternehmensteilen und einen weiteren Stellenabbau gehen. Die ersten Gespräche hatten am vergangenen Montag kein konkretes Ergebnis gebracht. Mit einem Durchbruch wurde auch am Sonntag nicht gerechnet.

In Presseberichten wird inzwischen über verschiedene Möglichkeiten zur Eindämmung der Schuldenlast bei dem Medienunternehmen spekuliert. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" hat Medien-Mogul Rupert Murdoch ein Angebot unterbreitet, Kirch gegen Erlass einer drohenden Milliarden-Forderung die Beteiligung an der Formel 1-Betreibergesellschaft SLEC abzunehmen. Damit wäre Kirch zumindest die im Oktober anstehende Fälligkeit von 1,7 Milliarden Euro los. Diese Summe muss Kirch aufbringen, wenn Murdoch aus dem Pay-TV-Sender Premiere World aussteigt und seinen Anteil von 22 Prozent zurückgibt.

Tausch von Murdochs Anteilen unwahrscheinlich

Ein Kirch-Sprecher wollte am Wochenende die angeblichen Verhandlungen mit Murdoch über die Formel-1 Beteiligung nicht kommentieren. Der Konzern habe bereits früher betont, dass er für weitere Gesellschafter offen sei, sagte er nur. In Branchenkreisen gilt ein Tausch von Murdochs Premiere-Anteilen gegen Kirchs Formel 1-Mehrheit allerdings derzeit als eher unwahrscheinlich.

Transparenz der Kredite

Nach "Focus"-Informationen sollen die Schulden der KirchGruppe insgesamt mit 6,9 Milliarden Euro höher sein als zuletzt angenommen. Bisher war von 6,5 Milliarden Euro die Rede. Der Kirch-Sprecher sagte dazu lediglich, man habe den Banken bereits Transparenz über die Höhe der Kredite verschafft.

...Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" soll der frühere Bundesbank-Präsident Hans Tietmeyer künftig möglicherweise die Moderation und Koordination der Gläubigerbanken übernehmen. Für Tietmeyer hätten sich hochrangige Frankfurter Banker ausgesprochen. Die Banken suchen bereits seit Wochen nach einem gemeinsamen Vermittler, konnten sich aber bisher nicht auf einen Kandidaten einigen. Eine Entscheidung für Tietmeyer galt in Gläubiger-Kreisen jedoch als unwahrscheinlich. Dieser sei zwar bei allen Beteiligten hoch angesehen, verstehe aber vom operativen Geschäft zu wenig. (APA)

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