Neue Anschläge belasten Zinnis Vermittlungsversuche

17. März 2002, 23:10
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Cheney kommt nach Israel

Jerusalem - Im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern haben neue Anschläge am Sonntag die Vermittlungsbemühungen des US-Sondergesandten Anthony Zinni belastet. Bei den Anschlägen kamen wieder drei Menschen ums Leben, darunter zwei Attentäter. Mindestens 21 Israelis erlitten bei den Attentaten in Kfar Saba und Jerusalem zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Wenige Stunden nach den Gewalttaten traf Zinni erneut mit Palästinenser-Präsident Yasser Arafat zusammen.

Der Überfall in Kfar Saba ereignete sich nach Polizeiangaben kurz nach Mittag an einer Straßenkreuzung im Stadtzentrum. Kfar Saba liegt etwa drei Kilometer von der Palästinenser-Stadt Kalkilya im besetzten Westjordanland entfernt. Polizeibeamte und ein Lkw-Fahrer erschossen den Attentäter. Wer hinter dem Anschlag steckt, war zunächst nicht bekannt.

Islamischer Dschihad bekennt sich

Zu dem Anschlag in Jerusalem bekannt sich in einem Fax an Reuters die radikale Palästinenser-Organisation Islamischer Dschihad. Nahe Jerusalem sprengte sich Sonntag Nachmittag ein palästinensische Bombenbauer versehentlich selbst in die Luft.

In Teilen Israels wurde am Sonntagnachmittag Terroralarm ausgelöst, nachdem die Polizei deutliche Hinweise auf bevorstehende palästinensische Anschläge erhalten hatte. In der Stadt Naharia im äußersten Norden des Landes blieben alle Schulen geschlossen.

Panzer rücken erneut in Bethlehme vor

In Bethlehem im Westjordanland kam es zu heftigen Gefechten, als israelische Panzer in das Zentrum vorrückten. Palästinensischen Ärzten zufolge wurde ein Palästinenser erschossen.

In einer ersten Reaktion nach den neuen Anschlägen sagte der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon: "Wir befinden uns in einem schwierigen Kampf um die Sicherheit Israels. Er fügte hinzu: "Wir suchen Frieden und unser erstes Ziel ist ein Waffenstillstand". Zuvor hatte vor einer Kabinettssitzung jedoch erneut betont, Friedensgespräche würden nicht wieder aufgenommen, solange es palästinensische Anschläge auf Zivilisten in Israel, Siedler in den besetzten Gebieten und Soldaten gebe.

Zinni bemüht sich um eine Beilegung der seit September 2000 anhaltenden Gewalt. Gespräche zwischen den Konfliktparteien scheiterten nach palästinensischen Angaben bisher an der israelischen Weigerung, ihre Truppen aus allen autonomen Gebieten im Westjordanland und Gaza-Streifen abzuziehen.

Außenminister Shimon Peres bekräftigte, Israel werde die palästinensisch verwalteten Gebiete nur räumen, wenn es von den Palästinensern Sicherheitsgarantien erhalte. Im Armeerundfunk sagte er: "Es gibt kein Problem, weil wir bereits gesagt haben, keine Absicht zu haben, in der Zone A zu bleiben." Die Zone A bezeichnet die Gebiete im Gaza-Streifen und Westjordanland, in denen die Palästinenser für Sicherheit und Verwaltung zuständig sind. Die Palästinenser haben die Räumung dieser Gebiete zur Bedingung für Gespräche über eine Waffenruhe gemacht.

Israel hat inzwischen seine Panzer aus den meisten wiederbesetzten Gebieten in Ramallah, El Bireh, Tulkarem und Kalkilia abgezogen. In Bethlehem, Jenin und Gaza verblieben jedoch zahlreiche Panzer. Nach palästinensischen Angaben starb eine 49-jährige Palästinenserin mit Herzproblemen am Sonntag wenige Minuten, nachdem israelische Soldaten an einer Straßensperre ihr die Fahrt mit dem Auto verboten und sie zum Laufen gezwungen hatten.

Cheney kommt nach Israel

US-Vizepräsident Dick Cheney kam am Samstagabend mit dem saudiarabischen Kronprinzen Abdullah zusammen, um über dessen Friedensinitiative für den Nahen Osten zu beraten. Abdullah hat Israel eine Anerkennung der arabischen Welt zugesagt, wenn das Land sich auf seine Grenzen vor dem Krieg von 1967 zurückzieht. Cheney wird am Montag in Israel erwartet. (APA/Reuters/dpa)

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