Crash im Kreisverkehr als Folge von vorgehaltener Waffe

17. März 2002, 13:26
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Gendarmerie zweifelt an nächtlicher "Abenteuerstory"

Wien - Ein 24-jähriger Sanitäter aus dem Bezirk Baden hatte am Sonntag gegen 00.58 Uhr bei einem Kreisverkehr auf der B 18 in Berndorf einen Verkehrsunfall mit Sachschaden - (nur) soviel ist sicher. Der alkoholisierte Unfall-Lenker kam wenig später selbst zu Gendarmerie und zeigte dort an, dass er von einem - leider geflüchteten - Unbekannten mit vorgehaltener Faustfeuerwaffe zu einer rasenden Fahrt von einer Disco in Weißenbach bis zur "Endstation Kreisverkehr" genötigt worden war. Die Gendarmerie wiederum sah sich genötigt, die Angaben des Sanitäters stark anzuzweifeln. Der 24-Jährige wurde Sonntag über Mittag erneut intensiv befragt, blieb aber weiter bei seiner bereits in der Nacht erzählten Version des Geschehens, wie die NÖ Sicherheitsdirektion auf Anfrage bestätigte.

Folgendes soll nach Angaben des Unfall-Lenkers passiert sein: Der 24-Jährige ist mit seinem Pkw gemeinsam mit einen Freund am Beifahrersitz um ca. 22.30 Uhr von Berndorf nach Weißenbach zur Diskothek "Flash" gefahren. Dort konsumierten beide größere Mengen Alkohol. Etwa um 0.30 Uhr gingen sie aus dem Lokal, sein Freund sei aber aus ihn nicht bekannten Gründen wieder in die Disco zurückgegangen.

Plötzlicher Knall

Der 24-Jährige selbst ist dann - wie er bei der Gendarmerie angab - auf der Weißenbacher Hauptstraße Richtung Hollergasse gegangen, als er plötzlich durch einen Knall auf eine Person aufmerksam wurde, die ihn anscheinend verfolgte. Bei einer Kapelle an der Kreuzung Hauptstraße-Hollergasse sei der große Unbekannte - er soll etwa 1,90 Meter messen - plötzlich direkt hinter ihm gestanden und habe ihm eine Faustfeuerwaffe an seine rechte Schläfe gehalten. Der Mann habe von ihm verlangt, nach Hirtenberg zu fahren, daher habe der Sanitäter seinen in unmittelbarer Nähe abgestellten grünen Opel Corsa gestartet und sei - immer unter Waffenandrohung - Richtung Hirtenberg gestartet.

Auf der B 18 sei er in der Folge gezwungenermaßen mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen, so der 24-Jährige. In Fahrerfeld wollte ihn schließlich eine Gendarmeriestreife per Rotlicht-Haltezeichen stoppen. Er habe das zwar gesehen, so der Sanitäter, musste jedoch seine rasende Fahrt auf Grund der immer noch gegen ihn gerichteten Faustfeuerwaffe leider fortsetzen. Die überhöhte Geschwindigkeit und der psychische Druck durch die Bedrohung hätten im Kreisverkehr in Berndorf schließlich dazu geführt, dass er die Herrschaft über seinen Corsa verlor, gegen die Verkehrsinsel stieß und gegen die Fahrbahnbegrenzung geschleudert wurde.

Wagen beschädigt

Der Wagen wurde bei dem Unfall laut Sicherheitsdirektion erheblich beschädigt. Dies hinderte den unbekannten Täter allerdings nicht daran, unverzüglich die Beifahrertür zu öffnen und sich zu Fuß in unbekannte Richtung aus dem Staub zu machen, so der Sanitäter. Er selbst sei dann zum Gendarmerieposten Berndorf gegangen, wo er ab 01.10 Uhr den staunenden Gendarmen einen ausführlichen Erlebnisbericht lieferte. Die Sofortfahndung nach dem "großen Unbekannten" verlief laut Sicherheitsdirektion erfolglos...

Der Sanitäter gab an, dass es sich um einen 30 bis 35 Jahre alten Mann, vermutlich einen Ausländer, mit dunkelbraunen oder schwarzen Haaren und einem etwa 20 Zentimeter langen Zopf handeln soll. Er sei unter anderem mit einem schwarzen Hemd mit hellen Knöpfen bekleidet gewesen. Die Aussendung der NÖ Sicherheitsdirektion trägt den Titel "Angebliche Nötigung". Die Angaben des Sanitäters würden stark angezweifelt, hieß es. Daher seien weitere Erhebungen vorgesehen. (APA)

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