US-Heer testet C-Waffen-Vernichtung in besiedelten Gebieten

17. März 2002, 21:54
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Gouverneur will Millioneninvestition für Katastrophenschutz einklagen

Birmingham/USA - Die US-Streitkräfte haben am Samstag mit der Testverbrennung chemischer Waffen in einem besiedelten Gebiet des Staates Alabama begonnen. Gegen die Inbetriebnahme der Verbrennungsanlage im Heeresstützpunkt Anniston haben Bürgergruppen protestiert. Sie bezweifeln, dass bei einem Unfall bei der Verbrennung von Nervengasen das Leben von tausenden Menschen im 100 Kilometer entfernten Birmingham sicher ist. Bisher sind C-Waffen auf dem hawaiianischen Johnston-Atoll und in der Wüste von Utah vernichtet worden.

Im Umkreis von 15 Kilometern um Anniston leben nach Schätzung des Heeres 72.600 Menschen. In den Bunkern des Depots lagern 2.254 Tonnen Raketen, Artilleriegranaten, Minen und Container mit C-Waffen. Die alten und militärisch nicht mehr verwendbaren chemischen Waffen stammen zum Teil noch aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie sind mit Senfgas, Sarin und VX-Kampfstoffen gefüllt, die nach dem internationalen C-Waffen-Abkommen vernichtet werden müssen.

Verbrennung dauert vier Jahre

Die Heeresleitung schätzt, dass es vier Jahre dauern wird, die in Anniston gelagerten C-Waffen zu vernichten. Sie hat eingeräumt, dass es auf dem Johnston-Atoll und in Tooele 14 Zwischenfälle gegeben habe, bei denen geringe Mengen von Nervengas austraten. Eine Gefährdung von Menschen sei davon nicht ausgegangen.

Der Gouverneur von Alabama, Don Siegelman, will mit einer Klage die Verbrennung von Nervengasen in Anniston verhindern, wenn die Bundesregierung in Washington nicht 40,5 Millionen Dollar (46,0 Mill. Euro) für den Katastrophenschutz bereitstellt. (APA)

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