Friedhofsschändung in Berlin: Rechtsextreme Tat vermutet

17. März 2002, 17:36
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Jüdische Gemeinde: Anschlag hatte "neue Qualität"

Berlin - Bei dem Sprengstoffanschlag auf den jüdischen Friedhof in Berlin deutet nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) vieles auf eine Tat von Rechtsextremisten hin.

"Wir ermitteln in zwei Richtungen, die rechtsextreme Szene und den arabischen Terrorismus. Aber es spricht vieles für einen rechtsextremen Anschlag", sagte der leitende LKA-Kriminaldirektor Peter-Michael Haeberer am Sonntag am Tatort in Berlin-Charlottenburg. Es lägen aber noch keine konkreten Hinweise auf die Täter vor. Der Vorsitzender der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Alexander Brenner, sprach von einer "neuen Qualität" der Gewalt. Bereits 1998 war auf dem jüdischen Friedhof in Charlottenburg ein Sprengstoffanschlag auf das Grab von Heinz Galinski, den ehemaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, verübt worden.

Zum Hergang der Tat sagte der LKA-Kriminaldirektor, Unbekannte hätten am Samstagabend einen mit Sprengstoff gefüllten Metallgegenstand über die Friedhofsmauer in den Eingangshof geworfen, an den die Trauerhalle des Friedhofs angrenzt. Dabei seien Trauergebinde zerstört worden, die Wandputz und Gehwegplatten des Hofes beschädigt hätten. Zeugenaussagen zufolge habe es einen lauten Knall und eine Staubwolke gegeben. Ob es sich um einen oder mehrere Täter handele, sei bislang unklar. Der oder die Täter konnten unerkannt entfliehen. Bisher hätten sich drei Zeugen bei der Polizei zum Tathergang gemeldet. Das Landeskriminalamt habe die Ermittlungen aufgenommen und bemühe sich, weitere Zeugen zum Hergang der Tat ausfindig zu machen.

Brenner sagte am Sonntag am Tatort, mit dem Anschlag sei eine "neue Qualität" der Gewalt erreicht worden. "Das ist offenbar ein gut vorbereiteter Anschlag gewesen. Wir hoffen, dass er schnellstmöglich aufgeklärt wird", fügte er hinzu. Brenner forderte zudem schärfere Sicherheitsvorkehrungen auf dem Friedhof. Es habe zwar einen "makaberen Beigeschmack", wenn jüdische Einrichtungen 50 Jahre nach Auschwitz so stark bewacht werden müssten. "Aber hier hat die Sicherheit Priorität", sagte er. (APA/Reuters)

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