Weiter alle drei Anbieter im Rennen

16. März 2002, 16:59
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Typenentscheidung soll vor dem Sommer fallen - Finanzminister skeptisch - Hercules-Beschaffung vor Abschluss

Wien - Das Rennen um die Nachfolge für die maroden Draken-Abfangjäger bleibt weiter offen. Dieser Tage werden alle drei Bieter - Lockheed-Martin mit der "F-16", Saab-BAE-Systems mit dem Gripen und das europäische "Eurofighter"-Konsortium - aufgefordert, Informationen nachzuliefern und ihre Angebote nachzubessern. Alle drei Angebote entsprechen noch nicht zur Gänze den Anforderungen, hieß es. Eine Typenentscheidung soll vor dem Sommer fallen.

Bereits unmittelbar vor dem Abschluss stehen dürfte hingegen das zweite laufende Flugzeug-Beschaffungsprojekt des Bundesheeres: Anfang kommender Woche soll mit Großbritannien der Vertrag über die Lieferung von drei gebrauchten "Hercules"-Transportmaschinen finalisiert werden, heißt es im Verteidigungsministerium. Als Preis für die rund 25 Jahre alten, aber generalüberholten viermotorigen Propellermaschinen aus den Beständen der "Royal Air Force" (RAF) werden rund 33 Millionen Euro genannt. Die Maschinen vom Typ C-130K sollen Anfang kommenden Jahres einsatzbereit sein und rund 20 Jahre im Einsatz stehen.

Für die Draken-Nachfolge ist die Anbotsfrist am 23. Jänner zu Ende gegangen. Seither arbeitet sich eine 33-köpfige Bewertungskommission im Verteidigungsministerium durch rund 70 Kilo Papier. Ursprünglich war nicht ausgeschlossen worden, dass bereits in der ersten Bewertungsrunde ein oder zwei Anbieter ausscheiden.

Zwischenlösung

Über Details zu den Anboten halten sich Bieter und Ministerium bedeckt. Durchgesickert ist nur, dass Fragen zu der von Österreich geforderten Zwischenlösung bestehen. Diese Zwischenlösung soll den Jet-Betrieb und die aktive Luftraumüberwachung zwischen dem Auslaufen des Draken und der Lieferung der neuen Maschinen überbrücken.

Kaum Angaben wurden bisher zur Höhe der Angebote und der Gegengeschäfte bekannt. Als Finanzrahmen hat die Regierung 1,82 Mrd. Euro vorgegeben, Kompensationen werden in der Höhe von 200 Prozent des Kaufpreises erwartet. Bei Saab hieß es lediglich, dieser Wert werde auch erreicht. Beim Angebot der Schweden, die mit britischer Unterstützung antreten, soll es dafür angesichts verschiedener Varianten für die Übergangslösung an der Vergleichbarkeit mangeln.

Konkreter wurde das Eurofighter-Konsortium: In einer Aussendung über mögliche Gegengeschäfte des niederösterreichischen Hydraulik-Unternehmens Test-Fuchs wurde das Gesamtvolumen der Gegengeschäfte Ende Februar mit 4,4 Mrd. Euro beziffert. An anderer Stelle war zu erfahren, dass Eurofighter für das Gesamtpaket - 24 Einsitzer und 6 Zweisitzer - knapp über 30 Mrd. S, also rund 2,2 Mrd. Euro, veranschlagt habe.

Bei der F-16 wiederum dürften die Offset-Vorstellungen in der ersten Anbotsrunde vergleichsweise niedrig ausgefallen sein. Vertreter von Lockheed-Martin hatten wiederholt darauf verwiesen, dass die österreichischen Forderungen in dieser Hinsicht unüblich hoch seien. Möglicher Anhaltspunkt für den Preis des Gesamtsystems könnte sein, dass dem US-Kongress Ende November des Vorjahres mitgeteilt wurde, dass mit Österreich ein Geschäft mit einem finanziellen Rahmen von 1,74 Mrd. Dollar (1,98 Mrd. Euro) in Aussicht genommen werde.

Auf wenig Begeisterung stoßen dürfte eine von den Amerikanern - Vertragspartner wäre die US-Regierung - vorgeschlagene Alternativvariante mit generalüberholten Jets. Bei voller Anpassung an alpine und europäische Verhältnisse würden Vorteile beim Preis verloren gehen, heißt es. Die Lebensdauer würde aber die verlangten 30 Jahre deutlich unterschreiten.

Politischer Widerstand gegen die von Verteidigungsminister Herbert Scheibner (F) geplante Beschaffung kommt nicht nur von der Opposition. Auch Scheibners Parteifreund Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat sich immer wieder ablehnend geäußert. (APA)

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