Wieder Übergriffe wütender Flamengo-Fans in Brasilien

16. März 2002, 13:16
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Spieler beim Training mit Stöcken attackiert und verwundet

Rio de Janeiro - In Brasilien hat es wieder Angriffe frustrierter Fußball-Fans auf Spieler gegeben. Am Freitag kletterten in Rio de Janeiro mit Holz- und Eisenstöcken bewaffnete Flamengo-Anhänger über eine Mauer, unterbrachen das Training und attackierten die Spieler, die in die Kabine flüchteten. Erst als die Polizei eintraf, hatte der Spuk ein Ende. Die Fans wollten damit ihre Wut über das zuletzt schlechte Abschneiden des populärsten Klubs in Brasilien kund tun.

Sportliche Krise

Der schwer verschuldete Verein (70 Mio Dollar) ist trotz starker Spieler wie Juninho, Juan und dem Jugoslawen Dejan Petkovic in der 16 Vereine umfassenden Rio-Sao Paulo-Meisterschaft nach neun Spielen nur auf Platz 15 zu finden, im Libertadores Cup droht nach einem 1:2 gegen Universidad Catolica aus Chile das Erstrunden-Aus.

Boykott des nächsten Meisterschaft-Spiels droht

Beim Angriff am Freitag erlitten einige Spieler Verletzungen, die Kabinentüren wurden mit Feuerlöschern bespritzt, auch Feuerwerksörper wurden abgefeuert. Die Spieler, die seit drei Monaten auf ihr Gehalt warten, waren so geschockt, dass sie überlegen, am Sonntag in der Meisterschaft nicht anzutreten. Außerdem verlangen sie einen anderen Trainings-Ort.

Ähnliche Vorfälle sind keine Seltenheit

Übergriffe dieser Art sind in Brasilien keine Seltenheit. In den vergangenen 18 Monaten hatten auch Fans der Corinthians und von Santos ihrem Ärger auf ähnliche Weise freien Lauf gelassen. 1997 hatten Corinthians-Anhänger sogar einem Mannschaftsbus auf der Autobahn aufgelauert und ihn mit Steinen beschossen. Gröbere Folgen für die Fans hatte das bisher aber kaum, auch am Freitag wurde niemand verhaftet. Laut Pele dürfen sich die Spieler nicht wundern. Provokanter Torjubel sei ebenso Grund für den Ärger wie zu häufiger Klubwechsel, was die Identifikation der Fans mit ihrem Verein erschwere. (APA/Reuters/AFP)

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