Spannende Spielzüge vorprogrammiert

15. März 2002, 22:40
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In Wien kicken demnächst die Roboter um den Europameister - und rollen schneller als sie rechnen

Wien - Peter Kopacek kann Hans Krankl gut verstehen. Beide müssen mit ansehen, wie Kicker anderswo schneller denken, rascher von Defensive auf Offensive umschalten und passender passen. Auch Kopacek ist Teamchef, seine Fußballer sind Roboter.

Die dritte Generation unter ihnen jagt dem Golfball schneller hinterher, als sie denken können: Von null auf zwölf Kilometer pro Stunde brauchen sie an der Technischen Uni (TU) Wien nur 63 Zentimeter. Da hält die Rechenzeit nicht ganz mit. Bis der Rechner fertig ist, "ist der Roboter schon sechs Zentimeter weiter", sagt TU-Robotiker Peter Kopacek.

Er organisiert ab 18. April in Wien die Europameisterschaft (EM) für die Liga der 7,5 Zentimeter im Würfel messenden Kleinroboter. Dafür sind neben seinem IHRT-Team (für Institut für Handhabungsgeräte und Robotertechnik) acht andere gemeldet, zu je drei ferngelenkten Kickern. Dazu kommt - erstmals in Europa - eine EM in der Middle-Size-League. Hier spielen fünf gegen fünf.

Bis zum Anpfiff muss Kopacek noch sein Team einstellen, mental quasi. Denn statt 30 Bildern aus einer hochauflösenden Videokamera sollen Computer der neuen Robotergeneration 90 pro Sekunde verarbeiten. Aus ihnen errechnet der via Funk verbundene Teamrechner dann, welche der vorprogrammierten Strategien - bei IHRT eine von 47 - Erfolg verspricht.

Das geht über schlanke Software weit hinaus: Die künstliche Intelligenz muss so hoch sein, erläutert Wolfgang Maass von der TU Graz, dass sie "vorausahnt, wo der Ball hinkommt. Gegenspieler machen die Aufgabe sehr schwer." Der Experte für maschinelles Lernen hofft, ein Grazer Team für die WM der 50 mal 50 mal 80 Zentimeter großen Roboter 2003 in Padua auf die Räder zu stellen.

Die musste Kopacek selbst für seine kleinen Kicker anpassen, vor allem die Reifen. "Wenn Sie lachen wollen", sagt der Robotiker und tut es, "haben wir dieselben Probleme gehabt wie in der Formel eins am Start, aber jetzt haben wir die richtige Gummimischung gefunden - und eine Antischlupfregelung."

Trotz Hightech zeigen sich Probleme des Amateurfußballs, etwa dass alle zugleich zum Ball rennen. Liegt der im Eck des 130 mal 150 Zentimeter großen Feldes, kommt keine noch so feine Tastsensorik mehr ran - Unterbrechung. Damit bei so einem karrosseriebetonten Spiel nicht wer vom Feld getragen werden muss, mussten die schneller gewordenen Roboter robuster werden - zum Schutz ihrer "16 Äuglein auf jeder Seite" (Kopacek), von Bordcomputer, Batterie und Funkeinheit.

Bei Ankick: autonom

Bei Anpfiff wird "Enter" gedrückt und das Feld den Maschinen allein überlassen - bis zur nächsten Unterbrechung etwa bei einem der zahlreichen Tore. In dieser Zeit muss die künstliche Intelligenz "Hauptprobleme" dadurch lösen, dass sie sie "lange genug in Detailprobleme zerlegt", sagt Kopacek.

Wirtschaftlicher Hintergrund: "In fünf bis zehn Jahren Multi-Agent-Systeme zu schaffen", sagt Kopacek, "intelligente, kooperierende Roboter, die durch Produktionshallen fahren, Hindernissen ausweichen, völlig autonom funktionieren - 100 auf einmal, 200, 500 Roboter". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17. 3. 2002)

In Wien kicken demnächst die Roboter um den Europameister. Die Vorbereitungen für die schnellste Generation laufen auch an der Technischen Universität auf Hochtouren. Doch noch hinken die Rechner den Rädern der Kicker ein wenig hinterher.

Von Roland Schönbauer

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