Bordellvermittlung "ohne bösen Vorsatz"

15. März 2002, 20:42
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Früherer Eislaufstar in Untersuchungshaft

Wien - "Mein Mandant sagt, dass die Vorwürfe nicht stimmen." Das ist zwar quantitativ nicht viel, aber qualitativ das Wichtigste, was ein Rechtsvertreter über einen neuen Mandanten sagen kann. Rechtsanwalt Herbert Eichenseder hat Wolfgang Schwarz (54), den Eiskunstlaufolympiasieger von 1968, übernommen. Wie berichtet, wird Schwarz beschuldigt, gemeinsam mit zwei weiteren Verdächtigen mehrere junge Frauen aus Osteuropa an Bordelle in Wien, Salzburg und Graz vermittelt und davon finanziell profitiert zu haben.

Die Einvernahmen im Wiener Sicherheitsbüro dauerten ein wenig länger als geplant, Schwarz wurde erst Freitagmorgen ins Wiener Landesgericht überstellt. Mit ihm Nardine A., die die jungen Frauen mit übertrieben lukrativen Angeboten nach Österreich gelockt haben soll, und Boris H., ein russischstämmiger Österreicher, der als Dolmetscher fungiert haben soll.

Am Nachmittag war es dann so weit. Nach einer einstündigen Einvernahme verhängte die zuständige U-Richterin Claudia Geiler Untersuchungshaft über Wolfgang Schwarz. Die Entscheidung wurde mit Verdunkelungs-und Tatbegehungsgefahr begründet. Nardine A. und Boris H. müssen noch warten. Ob sie hinter Gittern bleiben, wird sich spätestens am Sonntag entscheiden.

Schwarz habe "einige Fakten gar nicht in Abrede gestellt", hieß es bei Gericht. Der ehemalige Eislaufstar habe aber betont, dass er "keinen bösen Vorsatz" gehabt habe. Schon im Polizeiverhör hatte Schwarz eingestanden, dass er sich um Visa für Ausländerinnen gekümmert habe. Was nicht strafbar ist, wenn es sich nur um unentgeltliche Hilfestellung bei Behördenwegen handelt. Wie berichtet, gelten zudem für "Showtänzerinnen" vereinfachte Aufenthaltsverfahren.

Zund aus dem Milieu

Schwarz hatte in den Neunzigerjahren Geschäftsbeziehungen in die ehemalige Sowjetunion aufgebaut. Dabei dürfte er jedoch finanziell "ausgerutscht" sein. Ins Visier des Wiener Sicherheitsbüros war Schwarz schon vor knapp einem halben Jahr geraten. Durch einen "Zund" aus dem Rotlichtmilieu. Schwarz' mutmaßliche Vermittlungstätigkeit dürfte die Konkurrenz gestört haben.

Nachdem die Polizei drei Monate lang Telefonüberwachungen durchgeführt und Geldflüsse verfolgt hatte, reichten die Indizien jedenfalls aus, um vergangenen Mittwoch den früheren Spitzensportler festzunehmen. Die als "Bardamen" rekrutierten Osteuropäerinnen sollen unter anderem in einem bekannten Wiener Innenstadtklub gelandet sein. (simo) - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 16./17.3.2002

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