Buttercreme mit Glasbesatz

15. März 2002, 20:38
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Lehár-Renaissance: Die melodiensüße "Eva", inszeniert von Werner Schneyder, in Klagenfurt

Klagenfurt - Das Mädel Eva erblickte 1911 das Licht der Scheinwelt Operette: "Aschenbrödel" verliebt sich in seinen Arbeitgeber-Märchenprinz, verlässt ihren Geliebten und endet glücklich bei ihrem Chef.

Regisseur Werner Schneyder hat sich um die Neubelebung des sonst kaum gespielten Werkes der leichten Muse verdienstvoll bemüht: Ihm ist vorab für eine textliche Neufassung zu danken. Wohltuend kurze, entbanalisierte Prosatexte und eine Veränderung der Handlung sind das positive Ergebnis. Seine "Eva" entrinnt ihrem Mauerblümchendasein, entfernt sich vom einstigen Galan und verlässt nach einer Liebesnacht mit dem "Glasbaron" die Fabrik, um sich in Paris als eigenständige Frau zu verwirklichen.

Bernd-Dieter Müller hat dazu eine schlechthin grandiose Ausstattung erfunden. Er schuf im wahrsten Sinn des Wortes Schauräume, fast schon geeignet für eine Landesausstellung zum Thema "Glas". Architektonischer Jugendstil als Augenweide! Die Kostüme von Annette Zepperitz vermitteln zusätzlich das ganz besondere Flair der beginnenden 20er-Jahre.

Und die Regie?

Chor und Solistenpersonal bewegen sich handlungsgerecht: Schneyder inszeniert nicht gegen die Musik, versteht sich auch nicht als "Erneuerer" um jeden Preis. Er liebt Franz Lehár und schwelgt im manchmal klebrigen Melodienfluss. Dass manche Passagen dennoch etwas blutleer wirken und das ganze Opus nicht vollkommen von der Patina der Langweile entstaubt werden konnte, liegt wohl eher am Stadttheaterorchester und den nicht unbedingt herausragenden Leistungen des den Handlungsablauf bestimmenden Personenkreises.

Michael Güttler zelebriert mit den Musikern einen zuckersüßen Melodienbogen, vergisst allerdings auf das Vermitteln des zeitloser Operette innenwohnenden Esprits. Elisabeth Flechls Eva ist etwas zu sehr Mauerblümchen und nicht die zart erblühende Emanze im Sinne Werner Schneyders. Paul Armin Edelmann (Glasbaron) verfügt kaum über die stimmlichen Mittel - ein Bariton mit schöner Mittellage, aber teilweise erfolglos auf der Suche nach hohen Tönen. Martina Dorak und Marko Kathol sind um gesangliche und tänzerische Auffrischung bemüht. Reinhardt Winter ist ein verbitterter, grantiger Prokurist, der weder in die Glasfabrik noch in die Operette passt. Dass ihn die Titelheldin verlässt, ist mehr als plausibel.

Bevor Eva schlussendlich auch noch ihrem angehimmelten Arbeitgeber den Laufpass gibt und nach Paris zieht, wird, einschließlich Chor und Solisten, achtbar bis hochbrav gesungen. Fazit: "Glas, wie leicht bricht das." Lehárs kaum gespieltes Werk, ist es nicht doch zu Recht in der Versenkung geblieben? Ob die Wiederbelebung durch den künstlerischen "Notarzt" Werner Schneyder auch eine Gesundung auf Dauer bewirkt, bleibt abzuwarten.

(DER STANDARD, Print, Sa./So., 16.03.2002)

STANDARD-Mitarbeiterin Ulli Mayr
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