Dragan Mikerevic neuer Ministerpräsident von Bosnien-Herzegowina

15. März 2002, 20:30
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Bisheriger Minister für europäische Integration will politische und wirtschaftliche Reformen im Land fortsetzen

Sarajevo - Der bisherige bosnische Minister für europäische Integration, Dragan Mikerevic, ist am Freitag vom Parlament in Sarajewo zum neuen Ministerpräsidenten des Landes bestimmt worden. Der bosnische Serbe von der gemäßigten Partei des Demokratischen Fortschritts soll die Regierungsgeschäfte bis zur Parlamentswahl im kommenden Oktober führen. Sein Ministeramt für Europafragen wird er beibehalten.

Der Posten des Ministerpräsidenten wechselt in Bosnien-Herzegowina alle acht Monate, um jeweils die serbische, die muslimische und die kroatische Bevölkerung des Balkanlandes zu berücksichtigen. Der Wirtschaftsprofessor Mikerevic löst nach diesem Rotationsverfahren den Muslim Zlatko Lagumdzija ab, der weiterhin Außenminister bleibt.

Mikerevic wurde vom bosnischen Parlament bei sechs Stimmenthaltungen mit 25 zu sieben Stimmen gewählt. Er stellte keine Regierungsbildung in Aussicht und kündigte eine Fortführung der politischen und wirtschaftlichen Reformen im verarmten Land an. Zu den Prioritäten des neuen Premiers gehören auch eine Justizreform sowie der Kampf gegen die Korruption. Um das Investitionsvolumen zu erhöhen, solle ein unternehmerfreundliches Klima geschaffen werden. "Diese und andere Maßnahmen sollten uns helfen, den Anschluss an Europa zu finden", sagte Mikerevic.

Bosnien-Herzegowina wurde nach dem verheerenden Krieg von 1992 bis 1995 in eine bosnisch-serbische Republik und eine muslimisch-kroatische Föderation aufgeteilt. Beide Staatswesen, die separate Präsidenten, Parlamente und Regierungen unterhalten, sind zugleich über eine gemeinsame multiethnische Präsidentschaft und Regierung sowie ein gemeinsames Parlament miteinander im Staat Bosnien-Herzegowina verbunden. Die Zentralregierung hat allerdings im Vergleich zu den beiden Entitäten nur wenige Kompetenzen. Dazu gehören die auswärtigen Beziehungen, der Außenhandel, Menschenrechte und Flüchtlingsrückkehr sowie Kommunikation und Finanzen. (APA/AP/Reuters)

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