Vorbereitung auf eine grüne Wende

15. März 2002, 20:29
2 Postings

Van der Bellen: "Die Grünen sind die Frauenpartei schlechthin"

Ob die nächste Regierung rot-grün sein wird, lassen die Grünen offen. Die Voraussetzungen dafür wollen sie auf jeden Fall schaffen: Als erster interner Schritt wurden die Personalfragen an der Parteispitze geklärt.

Wien - Die Blumen, die beide stellvertretenden Bundessprecherinnen der Grünen zu ihrer Wahl bekommen hatten, reichte die Jüngere bei der anschließenden öffentlichen Vorstellung verbal der Erfahreneren weiter: Madeleine Petrovic sei schon immer ein Vorbild für sie gewesen, sagte Eva Glawischnig.

Wahl beinahe einstimmig

Zuvor hatten beide einen überwältigenden Vertrauensvorschuss des erweiterten Bundesparteivorstandes eingeheimst: Petrovic wurde von allen 22 Delegierten gewählt, Glawischnig verfehlte die Vorgabe um eine Stimme. Damit ist das Führungsquartett - neben den beiden Damen "regieren" künftig Bundessprecher Alexander Van der Bellen und Karl Öllinger als stellvertretender Klubobmann - formal verankert.

Van der Bellens Stellvertreterinnen waren sich dann auch über ihr primäres politisches Ziel, "die blau-schwarze Mehrheit zu brechen", einig. Petrovic will ihrer Partei mit dem Antreten als Spitzenkandidatin in Niederösterreich den nötigen Rückenwind verschaffen. Die Urnengänge seit der Nationalratswahl hätten gezeigt, dass der Aufschwung der FPÖ vorbei sei, und sie habe "große Lust zu zeigen, dass dieses Einbremsen noch deutlicher werden muss".

Glawischnig arbeitet an Wahlprogramm

Glawischnig bezeichnete die Erstellung eines Wahlprogrammes als eine der wesentlichen Aufgaben des neuen Führungsteams. Wann das Programm fertig sein wird, ist offen. Kümmern will sich Glawischnig auch um die schwächelnde Kärntner Landesgruppe, wobei bei den nächsten Landtagswahlen der Sprung in den Landtag angepeilt wird - angesichts der Zehn-Prozent-Klausel in Kärnten ein schwieriges Unterfangen. Ein Wahlbündnis wie 1999, als die Grünen mit der slowenischen Einheitsliste und den Liberalen in den Kampf zogen, wird es "in dieser Form nicht geben".

Zeichen für die Wählerinnen

Parteichef Van der Bellen wirkte ob der neuen Kräfteverteilung rundum zufrieden. Die Wahl seiner beiden Stellvertreterinnen sei auch ein Zeichen an die Wählerinnen: "Die Grünen sind die Frauenpartei schlechthin und haben als einzige Partei im Parlament gleich viele Frauen wie Männer in ihren Reihen." Die Marschroute für die nächste Wahl sei klar: "Wir wollen eine rot-grüne Mehrheit schaffen." Ob daraus eine rot-grüne Regierung werde, könne er nicht sagen, gab sich Van der Bellen skeptisch. (kob) - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 16./17.3.2002

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.