Niederösterreich: Ungewohnte Moderne im Turm

15. März 2002, 20:19
posten

Volksbefragung übers Hainburger Nationalparkzentrum

Hainburg - Bauen kostet Nerven, zeitgemäß bauen und Bürger dafür gewinnen noch viel mehr. "Es ist halt schwer, sich etwas Neues und Ungewohntes vorzustellen", versucht der Direktor des Nationalparks Donauauen, Carl Manzano, sich in die Gegner "seines" Hainburger Wasserturmes hineinzudenken. Nachsatz: "Trotzdem wäre das Projekt eine große Chance für den Tourismus in der Stadt."

Ob die 5700 Bewohner der Donaugemeinde diese Ansicht mehrheitlich teilen, wird sich am Sonntag, den 17. März herausstellen. Bei der Volksbefragung über das neue Nationalpark-Infozentrum nach Plänen der Architektengruppe Coop Himmelb(l)au in einem mittelalterlichen Turm.

Dieser soll - so das Siegerprojekt aus einem im Juni 1999 abgeschlossenen Wettbewerb - von Betonträgern ummantelt und durch Glasflächen verspiegelt werden: Ein Stück Moderne um 2,58 Millionen Euro inmitten weitläufiger mittelalterlicher Wehranlagen. "Der Turm hat drei Portale. Sie alle sollen entfernt werden. Das widerspricht den Zielen der Stadterhaltung", ärgert sich Turmumbau-Gegner Stefan Scholz.

Michaela Gansterer, Hainburger VP-Gemeinderätin und Umbaubefürworterin, widerspricht. Der modernisierte Turm, so führt sie aus, wäre nicht die erste bauliche Erneuerung in dem historischen Ensemble. Direkt neben dem Bauwerk aus dem 13. verlaufe die Bahntrasse aus dem 19. Jahrhundert "und genau dieses Spannungsverhältnis der Stile ist es, was mir gefällt".

Außerdem: "Das Projekt ist ausfinanziert. Wir stehen kurz vor Baubeginn", wirft Bürgermeister Raimund Holcik (SP) ein. Ihn hat das Ausmaß des Widerstands - Scholz und Freunde haben 572 Unterschriften für die Einleitung der Volksbefragung gesammelt - "überrascht".

Was also tun? "Das Infozentrum soll gebaut werden, aber nicht hier", schlägt Umbaugegner Scholz vor. Doch diese Überlegung hat für Nationalparkchef Manzano "keinen Wert": "Wir haben schon 363.300 Euro in Vorbereitungsarbeiten investiert." Sollte das Projekt nicht in Hainburg realisiert werden können, werde man in eine andere Gemeinde ausweichen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17. März 2002, bri)

Share if you care.