Die Last des Regierens

15. März 2002, 19:29
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Der Salzburger Grünen-Stadtrat Johann Padutsch über Widerstände

Salzburg - In einer Regierungsfunktion sei man eben "nicht mehr nur Grüner", sondern müsse auch "für das grüne Herz schmerzhafte Entscheidungen in Kauf nehmen, welche die Kernwählerschicht nicht verstehen". Die politische Bilanz über das Regieren als Grüner fällt aus Sicht von Salzburgs Bürgerlistenstadtrat Johann Padutsch ziemlich nüchtern aus. Padutsch, der seit 1992 das städtische Planungsressort führt, prophezeit auch seiner Bundespartei - im Fall einer Regierungsbeteiligung - ähnliche Erfahrungen.

Wenn sich Grüne in der Bundesregierung beispielsweise für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs stark machen, müssten sie dann eben den Bau von Bahnlinien gegen den Widerstand lokaler Bürgerinitiativen durchsetzen, auch wenn dies nicht dem entspreche, "was dem Klischee nach Grünpolitik ist".

Padutsch hat diese Erfahrung mehrmals gemacht. Derzeit muss sich der Planungsstadtrat, der sich beispielsweise für den Ausbau des zum Spar-Konzern gehörenden "Europarks" und die Ansiedlung des Möbelgiganten IKEA in Salzburg stark gemacht hat, wegen der von ihm betriebenen Rodung eines Auwaldes für das Salzburger Ausstellungszentrum viel Kritik anhören. Was dabei noch Grüne Politik sei? Die verbliebenen 85 Prozent des Auwaldes seien "gegen den Widerstand der anderen Parteien" unter Schutz gestellt worden. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 16./17.3.2002)

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