Dromedar vs. Analyst

15. März 2002, 17:02
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Affen, Pornostars oder kleine Mädchen schlagen Profis an der Börse - Für Experten ist der Erfolg der Börsenlaien wenig überraschend

Wien - Experimente in denen absolute Börsenlaien oder sogar Tiere professionellen Anlegern und Analysten an der Börse die Show stehlen sind nicht neu. Jüngstes Beispiel: Die fünfjährige Britin Tia Roberts ließ - wie berichtet - bei einem Aktienexperiment in London sowohl einen professionellen Börsenmakler als auch eine Börsen-Astrologin blass aussehen. Die Liste entsprechender Experimente ist lang und führt mitunter zu kuriosen Besetzungen:

  • So ließ das Boulevard-Magazin "Maintower" des hessischen Rundfunks im Vorjahr einen Börsenprofi und einen Politiker der Grünen bei einem Börsenspiel gegen ein Dromedar und gegen die deutsche Ex-Pornodarstellerin und Moderatorin Gina Wild antreten. Das Resultat: Wilds Portfolio machte in dem schlechten Börsenumfeld die geringsten Verluste, auf Platz zwei landete das Dromedar Laila vor dem Börsenmakler auf Platz drei.

  • Das Wall Street Journal Europe veranstaltet seit Jahren ein Börsenspiel bei dem Darts werfende Redakteure den Affen simulieren und gegen Profi-Investoren und Amateure antreten. Der "Affe" kann dabei auf beachtliche Etappensiege zurückblicken.

  • Die schwedische Zeitung "Expressen" den Schimpansen "Ola" mit Dartspfeilen und einem Kursblatt gerüstet gegen fünf Börsenmakler antreten. "Ola" gewann und ließ die Financial Community an den Erfolgen der Evolution zweifeln.
"Markteffizienz"

Das theoretische Fundament all dieser Experimente ist die These der "Markteffizienz". In einem informationseffizienten Markt werden nach der so genannten "starken Formulierung" der Effizienzthese alle verfügbaren Informationen sofort in den Aktienkurs eingepreist. Es wäre daher nicht möglich, durch umfangreiche fundamentale und technische Analyse unterbewertete Aktien herauszupicken und den Markt zu schlagen, weil der Märkt ohnedies immer "schneller" wäre. In effizienten Märkten sei es daher irrelevant welche Aktie man kauft, so die Schlussfolgerung von Burton Malkiel in seinem 1973 erschienen Buch "A Random Walk Down Wall Street".

"Wenig überraschend"

"Aus wissenschaftlicher Sicht spricht sehr viel dafür, dass ein Zufallsportfolio gewinnt", zeigt sich auch Stefan Bogner, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU), über die Börsenerfolge der mit Darts werfenden Affen nicht überrascht. Effiziente Kapitalmärkte vorausgesetzt kann man auf Basis historischer Daten und fundamentaler Analyse keine Aussage über künftige Entwicklungen treffen, so der Experte für Finanzierung und Finanzmärkte.

"Ernüchternd"

"Es ist sicher ernüchternd, für jemanden der im Fondsmanagement arbeitet, wenn völlig erfahrungsfreie Personen gute Ergebnisse bringen", kommentierte Stefan Rohrer, Leiter des quantitativen Fondsmanagements der Bank Austria-Fondstochter Capital Invest, die Affen-Experimente. Für Rohrer untermauern die Versuche die bekannten Studien, denen zufolge 90 Prozent der aktiv veranlegten Fondsmanager es nicht schaffen, den Markt gemessen an einem Aktienindex zu übertreffen. "Wenn man 20 bis 30 Aktien aus einem Markt nimmt hat man schon eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass man nahe dem Index liegt", ergaben Rohrers eigenen Analysen.

Disziplin und Sturheit

Wenn der Affe im Experiment 20 Aktien zufällig auswählt, hat er damit automatisch oft schon eine gute Abbildung des Gesamtmarkts und eben diesen können ja nur die wenigsten aktiv gemanagten Fonds schlagen, so das Fazit von Rohrer. Vor diesem Hintergrund müsse man auch die mögliche Performance eines Fonds realistisch sehen. Eine Outperformance von ein bis zwei Prozentpunkten über lange Zeit durchzuhalten sei schon ein gutes Ergebnis. Wer den Markt um 20 Prozentpunkte schlägt, muss auch entsprechend hohe Risiken eingehen, eine derartige Outperformance durchzuhalten sei wenig wahrscheinlich. Für ihn bedeute das konkret eine gewählte quantitative Strategie mit einer gehörigen Portion "Disziplin und Sturheit" durchzuhalten, sich aber auch einzugestehen, wenn man mit der Strategie falsch liegt. (APA)

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