Erst Kauf, dann Verkauf der Voest

15. März 2002, 20:02
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Staatsholding geht bei Voestalpine Kapitalerhöhung mit - In zwölf Monaten soll wieder privatisiert werden

Wien - Die ÖIAG ging am Freitag daran, ihren Schlingerkurs in Sachen Wertsteigerung bei ihrer Beteiligung Voestalpine in die Tat umzusetzen. Vorstand und Aufsichtsräte der Verstaatlichtenholding sind fest entschlossen, bei der von den Linzer Stahlkochern geplanten Kapitalerhöhung im Ausmaß von 200 Millionen Euro teilweise mitzuziehen. Die Kapitalerhöhung sei vom Voestalpine-Management zwar formal noch nicht beantragt, soll am 22. März vom Voest-Aufsichtsrat aber abgesegnet werden, hieß es in ÖIAG-Aufsichtsratskreisen nach der Sitzung.

Zank und Hader

Dieser Plan sorgte allerdings für Zank und Hader, denn die Räte rund um Präsident Alfred Heinzel wollten dies mit einer Sonderdividende von der Post finanzieren. Das war dem Vernehmen nach neben Finanzminister Karl-Heinz Grasser auch den Verfechtern der Kernaktionärsphilosophie, den „roten“ Arbeitnehmervertretern zu viel, weshalb sie gegen das millionenschwere Stahlengagement Sturm liefen. Die notwendigen 37,2 Mio. Euro kommen aus dem ÖIAG-Cashflow, gab die Staatsholding nach der Sitzung bekannt. Also konnte der ÖIAG-Aufsichtsrat den Stahl-Deal einstimmig beschließen. Den Griff in die aufgrund von dringend nötigen Investitionen ohnehin schwer belastete „Portokasse“ der Post werde es hundertprozentig nicht geben, versicherte die ÖIAG.

Kampf um Kontrolle

Mit der Zeichnung der Voestalpine-Kapitalerhöhung verfolgt die Staatsholding, wie berichtet, ein Ziel: Man will verhindern, dass der Voest-Anteil der Republik von derzeit 38 auf rund 30 Prozent absinkt und damit die kontrollierende Mehrheit futsch ist. Geht alles glatt, fällt die ÖIAG nur auf etwa 35 Prozent statt auf rund 30 Prozent zurück.

Um das negative Echo auf die bei Finanzinvestoren als „Re-Verstaatlichung“ gebrandmarkten „Wertsteigerungspläne“ gering zu halten, geben sich die Eigentümervertreter besonders trickreich: Die ÖIAG kauft zunächst 1,25 Millionen der 6,6 Millionen zu begebenden jungen Voest-Aktien - konkret geplant ist ein Gesamtnominale von 47,96 Mio. Euro, was zum aktuellen Kurs einen Erlös von gut 200 Mio. Euro bringt - und verpflichtet sich im Gegenzug, nach einer Behaltefrist von zwölf Monaten endgültig auf eine Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) zurück zu gehen, skizziert ein Insider die neue Privatisierungsstrategie. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Voestalpine-Aktie inzwischen an Wert zulegt und sich ein Investor findet, der die ÖIAG-Aktien mittels Paketzuschlag „vergoldet“, heißt es in Unternehmenskreisen. Eine Stellungnahme dazu gab es nicht.

Gordischer Knoten

Für heiße Debatten sorgte auch der „Gordische Knoten“ Telekom Austria (TA), wo sich nach achtmonatiger Diskussion mit Investmentbankern immer noch keine Entwirrung abzeichnet, berichten Aufsichtsratmitglieder. Zwischen Heinzel und ÖIAG-Vorstandssprecher Peter Michaelis herrsche deshalb dicke Luft. Beim „extrem Cash-getriebenen“ TA-Miteigentümer Telecom Italia gilt deshalb ein „Bankenparkplatz“ als der einzig gangbare Ausweg. Zuvor dürfte die TA die 25 Prozent der TI an Mobilkom zurückkaufen. Mit den daraus lukrierten rund 1,5 Mrd. Euro hätten die Italiener ihr Schuldenabbauprogramm erfüllt und Ruhe bei der Suche nach einem Investor für den verbleibenden 28,9-Prozent-Anteil an der A1-Mutter Telekom Austria. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17. März 2002)

Von Luise Ungerboeck

Die Wertsteigerungsstrategie der Staatsholding ÖIAG wird konkret. Im Aufsichtsrat stand am Freitag die geplante Kapitalerhöhung bei der Voest auf der Agenda: Die Staatsmanager wollen zunächst rund 37 Millionen Euro investieren und in zwölf Monaten wieder privatisieren.

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