Die Schleife der Architektin

15. März 2002, 16:45
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Ein Aussichtsbalkon könnte City und Museumsbezirk erschließen

Wien - Marie Therese Harnoncourt ist enttäuscht. Und auch Neubaus Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger (Grüne) ist pessimistisch: Das leere Baulos, das von der Breite Gase Blick und Durchgang ins Museumsquartier ermöglicht, wird wohl wirklich zugebaut werden.

Tor zum Bezirk

Als am 27. Februar im DER STANDARD über das an dieser Stelle geplante Bauprojekt berichtet wurde, hatte die Architektin Harnoncourt noch gehofft, dass statt eines Hauses mit Durchgang eventuell doch jener Entwurf, mit dem sie und ihr Kollege Ernst J. Fuchs - unter ihrem Signet "the next ENTERprise" - einen Ideenwettbewerb des Museumsquartiers gewonnen hatten, realisiert werden könnte: "Hier ist das letzte Tor zum Bezirk. Und die Durchlässigkeit des Quartiers war auch den Architekten des Museumsviertels bei der Gesamtkonzeption ein Anliegen," argumentiert Harnoncourt.

Ihr "Loop", eine Aussichtsplattform, von der aus Besucher das Quartier und die City betrachten könnten, würde diesem Postulat der Transparenz gerecht.

Aussichtspunkt über Museen und City

Die Errichtungskosten der Schleife, meint Harnoncourt, würden sich auf rund 726.000 Euro belaufen. "Nicht die Welt", betont die Architektin. Vor allem wenn man den ideellen Nutzen betrachte: Das Loop wäre der einzige öffentlich zugängliche und zentral gelegene Aussichtspunkt über Museen und City.

Mauseloch

Doch nach derzeitigem Planungs- und Entscheidungsstand soll die Lücke geschlossen werden. Noch heuer will der Bauunternehmer Winfried Kallinger damit beginnen. Die Genehmigungen liegen vor, der Bau würde - im Gegensatz zur Schleife - die öffentliche Hand nicht belasten.

Auch seitens des Bezirkes ist man unglücklich: War man vor einem halben Jahr noch glücklich "dass überhaupt ein Investor hier etwas tun will", herrsche nun doch Angst, "dass der Durchgang zu einem Mauseloch wird", gibt Bezirksvorsteher Blimlinger zu: "Ich würde nicht sagen, dass die Sache gelaufen ist. Aber es sieht schlecht aus." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Print-Ausgabe 16/17. März 2002)

Thomas Rottenberg
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