Tote bei gewalttätigen Übergriffen

15. März 2002, 17:46
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Auch afrikanische Beobachter kritisieren Wahl

Harare/Johannesburg - In Simbabwe ist wenige Tage nach der Präsidentenwahl neue Gewalt aufgeflammt. Im Osten der Hauptstadt Harare wurde am Freitag ein Wächter auf einer Farm von Anhängern der regierenden ZANU(PF)-Partei erschlagen, berichtete der Landwirte-Verband. Der Arbeitgeber sei schwer verletzt worden. In der Stadt Kwekwe war am Vortag nach Informationen der unabhängigen Zeitung "Daily News" ein anderer Mann von jugendlichen ZANU(PF)-Anhängern erschlagen worden. Dem Opfer sei zuvor der Bauch aufgeschlitzt worden. In den vergangenen Tagen sollen auch weitere Farmen weißer Besitzer beschlagnahmt worden sein.

Der seit 22 Jahren regierende Präsident Robert Mugabe (78) war am Mittwoch zum Wahlsieger erklärt worden. Seine Vereidigung für ein weiteres sechsjähriges Mandat soll nun am Sonntag stattfinden. Im Staatsrundfunk war zunächst der Samstag genannt worden.

Unregelmäßigkeiten

Der Wahlverlauf wurde von den Europäern, den USA und dem Commonwealth heftig kritisiert. Auch afrikanische Wahlbeobachter haben sich am Freitag der Kritik westlicher Staaten angeschlossen. Bisher hatten die meisten afrikanischen Beobachter den Wahlverlauf als frei und fair eingestuft. Demgegenüber räumte nun die Wahlkommission der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) ein, dass die Opposition benachteiligt worden sei. Nach Angaben der Regierung soll Präsident Robert Mugabe am kommenden Sonntag für die neue sechsjährige Amtszeit vereidigt werden.

Vor allem im organisatorischen Bereich sei es zu größeren Unregelmäßigkeiten gekommen, stellte der Leiter der 36-köpfigen SADC-Beobachterkommission, Leshele Thoahlane aus Lesotho, fest. So gab es keine unabhängige Wahlkommission. Außerdem wurden schon vor der Wahl potenzielle Oppositionswähler eingeschüchtert.

Die Wahl galt als wegweisender Test für die Demokratie in dem südafrikanischen Staat. Mugabe ist seit der Unabhängigkeit des Landes vor 22 Jahren an der Macht. Die Wahl war am Montagabend trotz scharfen Protests der MDC für beendet erklärt worden. Die Wahllokale schlossen nach drei Abstimmungstagen, obwohl tausende Simbabwer trotz stunden- oder gar tagelangen Wartens ihre Stimme noch nicht hatten abgeben können.

Die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul kündigte unterdessen im Bundestag eine Einstellung der Zusammenarbeit mit der simbabwischen Regierung im Bereich der Entwicklungshilfe an. Nur Projekte, die von nichtstaatlichen Organisationen betrieben werden, sollen weitergeführt werden. (APA/dpa/AP)

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