Holzmann droht Insolvenz

15. März 2002, 19:10
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Rettungsversuche für deutschen Baukonzern weiter erfolglos

Frankfurt/Berlin - Die rund 10.000 deutschen Beschäftigten des angeschlagenen Baukonzerns Philipp Holzmann müssen weiter um ihre Arbeitsplätze bangen. Die Gespräche von Banken- und Firmenvertreter über eine Rettung des Unternehmens blieben auch am Freitag erfolglos, wie es am Frankfurter Bankenplatz hieß. Weltweit beschäftigt das Frankfurter Unternehmen 23.000 Menschen. Die Industriegewerkschaft BAU kritisierte das Verhalten einiger Institute. Aus dem Bundeskanzleramt in Berlin hieß es, man hoffe weiter auf eine Einigung der Banken.

"Die Deutsche Bank versucht, das von ihr favorisierte Konzept auf Biegen und Brechen durchzudrücken", kritisierte ein Bankenvertreter. Es gebe keine konkreten Vorstellungen darüber, wie Holzmann wieder auf die Beine gebracht werden könne.

Insolvenzantrag wahrscheinlich

Bei einigen Geldhäusern gilt ein baldiger Insolvenzantrag als wahrscheinlich. "Die Chancen stehen 50 zu 50, wenn nicht sogar noch höher", hieß es aus dem Lager der Banken. Die Philipp Holzmann AG müsse womöglich schon am Montag Insolvenz anmelden, da etwa 20 Mill. Euro für Löhne und Gehälter fällig geworden seien. Dem widersprach ein Holzmann-Sprecher: "Die Löhne sind bereits gezahlt worden."

Anders als bei der spektakulären Rettungsaktion durch Bundeskanzler Gerhard Schröder im November 1999 ist Hilfe durch die Politik derzeit nicht in Sicht. "Wir sind weiter zuversichtlich, dass Banken und Unternehmen eine Lösung finden", hieß es aus dem Kanzleramt. Die Bundesregierung sehe sich nicht in der Pflicht.

"Nicht tragfähig"

Doch fünf der 17 Gläubigerbanken lehnen das Sanierungspaket als "nicht zukunfts- und tragfähig" ab, verlautete aus dem Bankenlager. Es sei aber noch möglich, dass die Deutsche Bank allein einspringe. Ansonsten sehe es aber für eine Rettung düster aus. "Die Deutsche Bank ist gefordert, die haben den Karren in den Dreck gefahren." Zu den Kritikern gehören nach dpa-Informationen die Dresdner Bank, die Münchner HypoVereinsbank, die Commerzbank, die Bayerische Landesbank und die Bankgesellschaft Berlin. Insbesondere Dresdner Bank, HypoVereinsbank und die Bankgesellschaft Berlin verlangen deutliche Nachbesserungen des auf dem Tisch liegenden Vorschlags.

Insgesamt ist Holzmann mit rund 1,5 Milliarden Euro verschuldet. Größter Kreditgeber ist die Deutsche Bank mit schätzungsweise 320 Mill. Euro. Zugleich ist der Branchenprimus mit knapp 20 Prozent größter Anteilseigner des Baukonzerns. (APA/dpa)

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