Beschneidung afrikanischer Mädchen in Frankreich

15. März 2002, 21:18
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Gericht verhängte Bewährungsstrafen für die Taten

Bobigny - Wegen der Beschneidung von sieben Mädchen hat ein französisches Geschworenengericht Bewährungsstrafen von zwei bis drei Jahren gegen die aus Mali stammenden Eltern verhängt. Die geringsten Strafen erhielt am Freitag in Bobigny bei Paris ein Ehepaar, das einer Tochter die Klitoris beschneiden ließ. Ein anderer Familienvater und dessen zwei Frauen wurden zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt, weil sie zwischen 1985 und 1989 Beschneidungen an insgesamt sechs Töchtern vornehmen ließen. Die Staatsanwaltschaft hatte für alle Angeklagten Bewährungsstrafen von zwei Jahren gefordert. Rechtlich wären bis zu 20 Jahre Haft möglich gewesen.

Nichtwissen sei keine Entschuldigung

Die Staatsanwältin wies die Aussage der Angeklagten zurück, sie hätten nichts von dem in Frankreich geltenden Verbot der Klitoris-Beschneidung gewusst. "Dass der Beruf der Beschneiderin in Frankreich nicht existiert, hat einen guten Grund", sagte die Anklägerin. "Das liegt daran, dass die Beschneidung verboten ist." Mit einer Beschneidung werde "der Frau das genommen, was als ihr männliches Element angesehen wird, also ein Element von Macht". "Sie wird dadurch wieder dem Mann unterworfen."

Die fünf Malier - zwei Männer und drei Frauen - hatten gestanden, dass sie den Mädchen im frühen Kindesalter die Klitoris entfernen ließen. Sie beriefen sich darauf, dies sei in ihrer afrikanischen Heimat üblich. Wegen Verfahrensproblemen kamen die Taten, die bereits Ende der achtziger Jahre verübt wurden, erst in dieser Woche vor Gericht. Am Nachmittag wollten die AnwältInnen der Angeklagten ihre Plädoyers halten. Der Spruch der Geschworenen wurde für den Abend erwartet. Rechtlich sind Strafen von bis zu 20 Jahren Haft möglich.

"Eine Angelegenheit der Frauen"

Die Anklage lautete auf Körperverletzung und "dauerhafte Verstümmelung". Einer der Väter hatte vor Gericht ausgesagt, er sei nicht verantwortlich für die Beschneidung. "Das ist eine Angelegenheit der Frauen, ich habe mich um nichts gekümmert." Weltweit werden nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO jedes Jahr zwei Millionen Mädchen beschnitten. Zahlreiche Mädchen verbluten nach dem Eingriff oder sterben an Infektionen. (APA/AFP)

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