Brustverkleinerung sollen die Kassen zahlen

15. März 2002, 13:55
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Expertinnen präsentierten Studie, die die Operation als Therapie ausweist

Wien - Auf die massiven psychischen und medizinischen Probleme, die Frauen mit großen Brüsten haben wiesen am Freitag Expertinnen anlässlich eines Symposions hin. Auf einer Pressekonferenz kritisierten sie die immer häufigere Weigerung der Kassen, diese Operationen zu bezahlen. Primaria Maria Deutinger, Vorstand der Abteilung für Plastische und Wiederherstellungschirurgie am Krankenhaus Lainz, präsentierte eine Studie, die Entscheidungen der medizinischen Notwendigkeit erleichtern solle.

Operation als Therapie

Die Beschwerden der Patientinnen betreffen in erster Linie den Bereich der Wirbelsäule, erklärte Deutinger. Das Gewicht der schweren Brüste führe zu einem Rundrücken und Veränderungen der Zwischenwirbelscheiben und damit zu permanenten Schmerzen. Die operative Verkleinerung sei als Therapie anzusehen und nicht als kosmetische Behandlung.

Depression durch negatives Körpergefühl

Die Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien, Dr. Beate Wimmer-Puchinger, erklärte, es gehe nicht um dem Nacheifern von Schönheitsidealen, sondern um massive Probleme der betroffenen Patientinnen. Frauen mit zu üppigen Brüsten hätten meist ein negatives Körpergefühl, dieses führe wieder zu Depressionen.

Laut der Studie besteht bereits bei Frauen mit Körbchengröße D zu 80 Prozent die Wahrscheinlichkeit, einen Wirbelsäulenschaden zu erleiden. 50 normalgewichtige Frauen zwischen 28 und 38 Jahren mit einem Brustgewicht von rund 1,5 bis 3,6 Kilo wurden untersucht. Dabei sei der direkte Zusammenhang zwischen Brustgröße und Schäden an der Wirbelsäule festgestellt worden.

Isolation

Wichtig sei, das Wohlbefinden wieder herzustellen, erklärte Dr. Sabine Oberhauser. Sie berichtete von dem "Teufelskreis", in dem sich betroffene Frauen befinden. Neben Problemen, die passende Kleidung zu finden, sei u.a. die Ausübung vieler Sportarten nicht möglich, dies führe zu Isolation.

Laut Oberhauser weigern sich die Kassen immer öfter, die Kosten für diese Operation zu übernehmen. Ein erster Einbruch sei etwa im Jahr 1996 erkennbar gewesen. Seit zwei Jahren gebe es kaum mehr Kostenübernahmen. Die Studie könne in Zukunft als objektives Bewertungskriterium dienen, hoffte sie.

Kosten kaum höher als Behandlung der Folgeschäden

Deutinger erklärte, dass schon kurz nach einer Brustverkleinerung eine Verringerung der Haltungsschäden zu erkennen sei. Im Krankenhaus Lainz werde im Schnitt eine Operation pro Woche durchgeführt. Die Kosten würden kaum höher sein, als die Behandlung der Folgeschäden. Bei Patienten, die keine Unterstützung der Kassen erhalten und sich die Kosten "mühsam absparen müssen", werde meist nur die Mindestaufenthaltsdauer im Spital verrechnet. Auch diese Summe macht rund 1.500 Euro aus. (APA)

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