Zucker für DiabetikerInnen erlaubt

15. März 2002, 14:30
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Auf das Süßungsmittel in Reinform sollte aber verzichtet werden

Bad Aachen/Wien - Der Volksmund müsste sich für die als "Zuckerkrankheit" bezeichnete Stoffwechselerkrankung einen neuen Namen suchen: Heute dürfen Diabetiker, wenn auch nicht bedenkenlos, zuckerhaltige Nahrungsmittel verzehren, berichtete am Freitag das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.) in Bad Aachen.

Der Blutzuckeranstieg nach dem Verzehr von Haushaltszucker, einem Zweifachzucker (Traubenzucker und Fruchtzucker), gestaltet sich nicht so rasch wie allgemein angenommen, so Diabetesberater Sven-David Müller. Er sei sogar langsamer als nach dem Genuss von Lebensmitteln wie Weißbrot, Semmeln oder Erdäpfelpüree, Lebensmitteln, die Diabetikern nie verboten wurden.

Der Blutzuckeranstieg durch zuckerhaltige Lebensmittel vermindere sich noch, wenn gleichzeitig Ballaststoffe, Eiweiß und Fett in den Lebensmitteln vorkommen. Es klingt zwar paradox, doch Nussschokolade steigere den Blutzuckerspiegel dadurch langsamer als eine Scheibe grobes Vollkornbrot.

Kein Zucker in Reinform

Um den Blutzuckerspiegel nicht übermäßig zu belasten, sollten Diabetiker auf Zucker in Reinform, als Süßungsmittel für Tee und Kaffee sowie auf zuckergesüßte Limonaden und Colagetränke verzichten. Demgegenüber seien Schokolade, Kuchen, Kekse und andere Süßigkeiten auch für Diabetiker geeignet, wenn die darin enthaltenen Kohlenhydrate mit Insulin abgedeckt werden. Dabei darf aber nicht unbeachtet bleiben, dass eine fettreiche Ernährung leicht zu Übergewicht und Fettstoffwechselstörungen führen kann.

Betroffene müssten lediglich ihre Insulindosierung den Essenswünschen anpassen und regelmäßig den Blutzucker testen. Müller: "Verbote gibt es für insulinpflichtige Diabetiker nicht mehr. Lediglich übergewichtige insulinpflichtige Diabetiker müssen kalorienreiche zuckerhaltige Lebensmittel meiden, denn bei der Gewichtsreduktion sind sie natürlich nicht zuträglich." Für Typ 2-Diabetiker gilt weiterhin sich zurückzuhalten. (APA)

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