Neuer Ö3-Chef Spatt: "Enges Korsett" durch ORF-Gesetz

15. März 2002, 13:20
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Er trete an, die "Erneuerung des Programms dynamisch fortzusetzen"

"Von der Sohle bis zur Haarwurzel öffentlich-rechtlich" ist für Georg Spatt, den neuen Ö3-Chef, das Programm des ORF-Hitradios. Das ORF-Gesetz zwänge Ö3 aber im Vergleich zu den privaten Mitbewerbern etwa im Bereich der Cross-Promotion in ein "sehr enges Korsett", meint er. Er trete an, die "Erneuerung des Programms dynamisch fortzusetzen". "Ich freue mich über jeden Hörer mehr, aber es sind nicht die Reichweiten, die für uns beim Programm Machen im Vordergrund stehen."

Markterfolg halten, aber kein massives Rittern um Hörerzahlen

Mit einer Tagesreichweite von 41 Prozent, 2,9 Millionen Hörern und einem Marktanteil von 38 Prozent (Zielgruppe zehn Jahre und älter) liegt Ö3 laut Radiotest für das zweite Halbjahr 2001 mehr als komfortabel in der Gunst des Publikums. "Es gehört selbstverständlich zum Ziel meiner Tätigkeit, den Markterfolg zu halten", sagt dazu Spatt. "Aber es geht nicht darum, Reichweiten und Marktanteile zu rittern und da das Letzte herauszuholen."

"Einiges an Neuerungen"

Am "wohlbestallten Haus", das der neue Ö3-Chef von seinem Vorgänger Bogdan Roscic übernimmt, hat Spatt in den vergangenen Jahren als stellvertretender Programmchef selbst mitgewirkt. Dementsprechend werde es zwar "einiges an Neuerungen geben", die aber behutsam eingeführt werden sollen. "Ich halte nichts davon, in der Phase, in der Ö3 markttechnisch gerade ist, über das Ansteuern von neuen Häfen zu philosophieren, wenn alles dafür spricht, dass das Schiff gut auf Kurs ist. Das Schiff auf Kurs zu halten, heißt aber, sich ständig zu erneuern." Sein Verhältnis zu Ö3 ist übrigens "keine Liebe auf den ersten Blick": Erst beim dritten Anlauf, im Jahr 1996, hielt es Spatt beim Hitradio.

Interventionen kommen "nicht besonders oft vor"

Für "Interventionen, Anfragen oder Beschwerden" gebe es bei Ö3 ein "klar geregeltes Prozedere", betont Spatt. Zuständig sei der jeweilige Ressortleiter, "der schaut sich das an und beantwortet das". Die Häufigkeit von Interventionen hänge "von der Themenlage" ab, "es kommt nicht besonders oft vor". Unmutsäußerungen von Seiten der Politik könnten durchaus auch für die Qualität der Informationssendungen auf Ö3 sprechen, meint er.

"Persönlich begeistert" ist Spatt vom "gesetzlichen Auftrag zur Öffentlich-rechtlichkeit". Immer wieder wird ja Ö3 als "kommerzialisiertes" und "unöffentlich-rechtliches" ORF-Radio kritisiert. Zu Unrecht, meint Spatt. "Wir sind dem Hörer verpflichtet, nicht einem Aktionär oder Eigentümer. Ich halte das für die Kernaussage, was öffentlich-rechtlich bedeutet."

"Nicht wirklich faire Bestimmungen" im ORF-Gesetz

Ö3 stelle sich aber natürlich dem kommerziellen Wettbewerb. Die Herausforderung sei, "sich ganz klar im marktorientierten Auftritt als öffentlich-rechtlich zu präsentieren. Aber ich mache diesen wertenden Unterschied nicht, dass öffentlich-rechtlich 'gut' ist und kommerziell 'schlecht'". Die Konkurrenz am Privatradiomarkt beobachte er "sehr interessiert, aber gelassen", sagt Spatt. "Ich kann mir vorstellen, dass sich da in den nächsten eineinhalb Jahren wieder einiges verändern wird, aber wir werden deswegen nicht unsere Programmüberlegungen zu stark danach orientieren."

Nicht wirklich fair sind für ihn jene Bestimmungen im ORF-Gesetz, die Ö3 gegenüber den Mitbewerbern in eine ungünstigere Position bringe. Dazu gehören laut Spatt etwa das Verbot der so genannten Cross Promotion, also die Image-Werbung von Ö3 in den ORF-Fernsehprogrammen. "Warum die Marke Ö3 nicht mehr als Marke beworben werden darf im eigenen Medium, ist nicht nachvollziehbar, wenn man sich das Umfeld anschaut." Insgesamt seien "die Rahmenbedingungen nicht angenehmer oder besser geworden, aber Rahmenbedingungen kann man sich halt nicht immer aussuchen." Dennoch sei er optimistisch, dass sich "Ideen finden, die uns das Leben nicht nur versauern".

Musikindustrie mit "Wenig Mut und wenig Geld"

Mit der regelmäßigen Kritik, dass auf Ö3 zu wenig österreichische Musik zu hören sei, kann Spatt nichts anfangen. "Klassischer Austropop ist eine Sparte aus einer Zeit, aus der wir insgesamt sehr wenig spielen. Aber österreichische Musik spielen wir selbstverständlich und sehr intensiv." In den vergangenen Jahren habe die Musikindustrie mitunter "wenig Mut und wenig Geld" in den kleinen heimischen Markt investiert. Um Kooperationsprojekte mit Initiativen und Labels sei Ö3 aber immer bemüht. (APA)

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