Ballmer: Internet macht Menschen nicht zu Aliens

15. März 2002, 12:15
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Web soll zwischenmenschliche Kontakte verstärken - Potenzial für digitales Marketing - Partnerschaften mit Content-Anbietern

Einen Wandel in der Art und Dauer der Mediennutzung durch die zunehmende Vernetzung und die hohen Wachstumsraten bei mobilen Internet-Zugängen ortete Microsoft-Chef Steve Ballmer, gestern, Donnerstag, bei einer Rede vor Vertretern der Werbeindustrie in Brüssel. Internet-User seien aktiver, konzentrierter und würden die Kontrolle über das Medium übernehmen, sieht Ballmer Unterschiede zu klassischen Medien.

Widerspruch

Außerdem widersprach Ballmer Zeitungsberichten, die behaupten, das Internet würde die Menschen zu "Aliens" machen würden. Im Gegenteil: Das Web verstärke die zwischenmenschlichen Kontakte und Möglichkeiten, auch für die Werbebranche.

Verteiltes Lesen

Im Gegensatz zur Tageszeitung, die entweder morgens oder abends gelesen werde, sei die Online-Nutzung über den ganzen Tag verteilt. "Die Leute rufen bereits in der Früh ihre E-Mails ab, suchen am Vormittag gezielt nach Informationen, informieren sich zu Mittag über Aktienkurse und Sportnachrichten und sehen sich später Live-Übertragungen im Web an", so Ballmer. Dies sei eine große Chance, um Zielgruppen gezielt und interaktiv ansprechen zu können, Marken zu positionieren und die Verkäufe zu steigern.

Werbung

Im Zentrum der Business-Strategie von Microsoft stehe MSN (Microsoft Network) mit mehr als 270 Millionen Besuchern im Monat. Dieser Internetdienst führe die bei Usern besonders beliebten Online-Services, speziell Kommunikation (Hotmail, Messenger) und Web-Suche, ergänzt um Unterhaltung und Information zusammen und soll der Werbebranche helfen Marken zu positionieren ("Branding") und stärkere Beziehungen zu ihren Kunden aufzubauen. Erst im September hatte Microsoft bekannt gegeben, 30 Millionen Dollar (34,3 Millionen Euro) in ein digitales Marketing-Programm für Europa zu investieren.

Offenheit

"Mit dieser Strategie wollen wir einen Schritt auf unsere Werbepartner zugehen. Wir bieten den Usern ein integriertes Netzwerk an Dienstleistungen, die einfach zu bedienen sind und helfen Zeit zu sparen", ergänzte Judy Gibbon, Vice President bei MSN. Lösungen, die früher nur für die Industrie leistbar gewesen seien, stünden nun allen offen.

Sinnfrage

"Das MSN-Geschäftsmodell macht Sinn", sagte Ballmer. "Und wir werden diese Plattform immer weiter vorantreiben, denn wir sehen das als strategisches Investment." Zudem werde man nun die Kooperationen mit Finanzunternehmen und Content-Anbietern ausbauen. Durch diese Partnerschaften solle der Mitbewerb "klar outperformed" werden. Auf der Computer-Messe CeBIT haben Microsoft und die Deutsche Telekom bekannt gegeben, eine Allianz bei Internet-Diensten für Handys und mobile Computer geschlossen zu haben. Dabei sollen Telekom-Kunden spezielle Services von MSN nutzen können. (APA)

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