Internet als wichtige Unterstützung für psychisch Kranke

18. März 2002, 12:00
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Das Netz ermöglicht Austausch in Anonymität

München - Das Internet spielt für die Therapie von psychisch Kranken eine immer größere Rolle. Die Patienten scheuten aus Angst vor Ablehnung den Weg in die Öffentlichkeit, "haben aber ein großes Bedürfnis, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen", betonte der Sprecher des Forschungsprojektes "Kompetenznetz Depression", Ulrich Hegerl. Diskussionsforen und Chat-Rooms im Internet, die von Ärzten oder Psychologen moderiert würden, seien für die Betroffenen daher eine wichtige Unterstützungsmöglichkeit.

Der Psychiater ist sich sicher: "Künftig werden Online-Selbsthilfegruppen eine wichtige Funktion bei der Begleitung psychisch kranker Menschen übernehmen." Allerdings sei damit auch die Hoffnung verbunden, dass die Kontakte im Internet die Patienten ermutigten, auch wieder mehr Beziehungen mit der realen Welt aufzubauen, sagte der Professor.

Das Kompetenznetz Depression, das im Internet ein Forum für depressive Menschen und deren Angehörige anbietet, gehört zu einem vom Bundesforschungsministerium initiierten Internetportal, das Ärzte und Patienten aktuell und schnell über unterschiedliche Krankheiten informieren will. In den Kompetenznetzen haben sich Forschungszentren, Ärzte und Selbsthilfeorganisationen zusammengeschlossen.

Internationales Symposium

Der therapeutische Nutzen des World Wide Web wird auch Thema eines internationalen Symposiums zu Chancen und Risiken des Internets in der Psychiatrie sein. Am 25. und 26. April wollen an der Münchner Universität Mediziner aus Europa, USA, Kanada, Australien und Neuseeland diskutieren, wie Patienten künftig verstärkt online unterstützt werden können.

Ein Schwerpunkt des Kongresses soll die Bewältigung der Traumata bei den Terroranschlägen vom 11. September sein. Die Experten verweisen auf Online-Seiten amerikanischer Zeitungen, in denen die Angehörigen von Terror-Opfern Fotos ihrer Toten veröffentlicht hatten. Für viele Familien sei der Trauerprozess sehr erschwert worden, weil die Leichen ihrer Angehörigen nicht geborgen worden seien, zitiert das Kompetenznetz den New Yorker Psychiater Robert Kennedy: "In diesen Foto-Memorials kommen die Opfer der Terroranschläge nicht nur als Zahlen vor, sondern haben als Individuen wieder ein Gesicht bekommen." (APA/AP)

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