Östrogen für das Herz

18. März 2002, 10:00
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Frauen stoßen nach Herztransplantation das neue Organ deutlich seltener als Männer ab

Würzburg - Der weibliche Körper kann sich meist besser mit fremden Herzen anfreunden: Bei einer Herztransplantation kommt es bei Frauen deutlich seltener zu einer chronischen Abstoßung des neuen Organs als bei Männern. Eine entscheidende Rolle dabei spielt offenbar das Sexualhormon Östrogen, wie die Würzburger Medizinerin Sonja Schrepfer herausfand.

Bei einer Abstoßung des Transplantats wandern nach Angaben der Expertin glatte Muskelzellen in die Innenschicht der Herzkranzgefäße ein und vermehren sich dort. Dadurch würden die Gefäße immer enger, und die zunehmend schlechtere Versorgung des Herzens mit Sauerstoff führe rasch zum Herzversagen.

Blutgefäße verengen sich weniger

Unter dem Einfluss von Östrogen aber verengen sich die Blutgefäße an einem transplantierten Herzen deutlich weniger, wie die Ärztin berichtet: Das Hormon hemme die glatten Muskelzellen in der Gefäßwand und verringere zudem die Zahl der Immunzellen in dem fremden Organ. Daher komme es bei Frauen seltener zur chronischen Abstoßung des neuen Organs als bei Männern.

Die Würzburger MedizinerInnen wollen nun mit Hilfe des Hormons eine neue Behandlungsmethode erarbeiten, um die schnelle Gefäßverengung bei transplantierten Herzen zu bremsen. Gleichzeitig sollen aber die Nebenwirkungen des Östrogens vermieden werden: die so genannten verweiblichenden Effekte und das höhere Risiko für Brust- und Gebärmutterkrebs. (APA/AP)

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