Schweinemast-Skandal vor Gericht

15. März 2002, 11:44
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Fünf Angeklagte gegen Lebensmittelgesetz verstoßen

Graz - Das erste Verfahren im so genannten "Schweinemastskandal" in der Steiermark begann am Freitag im Grazer Straflandesgericht. Angeklagt waren vier Landwirte, ein ehemaliger Tierarzt, ein Futtermittelvertreter und ein Pensionist, der als "Sauschneider" tätig war. Die Staatsanwaltschaft warf den sieben Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz, illegalen Besitz von Tierarzneimittel sowie Gefährdung des Tier- und Pflanzenbestandes vor. Ein Urteil wurde für Nachmittag erwartet.

Auf der Anklagebank saßen nur sechs der sieben Beschuldigten. Ausgerechnet der ehemalige Tierarzt, der nun als "Geistheiler" arbeitet, war nicht erschienen. Es ließ sich nicht klären, ob er noch auf Urlaub in Italien oder überhaupt nach Kanada ausgewandert war. Das Verfahren gegen ihn wurde jedenfalls ausgeschieden. Die anderen Angeklagten bekannten sich bis auf den Futtermittelvertreter alle schuldig.

Tierseuchen verkennen

Als erste Angeklagter wurde jener Bauer einvernommen, der mit dem Tierarzt Wolfgang B., der keine Konzession mehr besitzt, zusammengearbeitet hatte. Der Arzt hatte die Medikamente bestellt, und der Landwirt hatte sie verabreicht bzw. weiterverkauft. "Die eigentliche Gefahr ist, dass Laien schwere Krankheiten wie Lungenentzündung selbst behandeln. Tierseuchen können auf diese Weise nicht erkannt und können weiterverbreitet werden, wenn aus Kostengründen auf den Tierarzt verzichtet wird", so Staatsanwalt Johannes Winklhofer.

"Für mich ist er heute noch Tierarzt"

Der Landwirt sah kein Problem darin, dass der Tierarzt eigentlich keiner mehr war: "Er hat das studiert, für mich ist er heute noch Tierarzt", rechtfertigte sich der Bauer. "Warum haben Sie das weitergegeben, obwohl sie nicht durften?", fragte Richter Karl Buchgraber. "Ich hab' mir keine Gedanken gemacht, ich hab' seit 30 Jahren von jedem Tierarzt solche Medikamente bekommen", so der Beschuldigte.

"Das war jahrzehntelang so Praxis. Die Angeklagten sind Bauernopfer", meinte einer der Verteidiger. Überhaupt schuldlos sei jene angeklagte Landwirtin, die einen "Sauschneider" (zuständig für die Kastration von Ferkeln, Anm.) geholt hatte, der mit den verbotenen Medikamenten gearbeitet hatte. "Es ist nicht ihr Problem, wie er das macht", so der Anwalt.

Strittig war auch die Frage, wie viel von den Arzneimittel der Landwirt selbst verbraucht und wie viel er weiterverkauft hat. "Drei Viertel hab' ich für mich verwendet", erklärte er. "Haben Sie so kranke Schweine gehabt?", fragte Staatsanwalt Winklhofer nach. Darauf wollte der Angeklagte nicht antworten. Er hatte vom Tierarzt unter anderem so genannte Reinsubstanzen bezogen und diese selbst gemischt. "Sie wissen genau, dass sie dass nicht dürfen", bemerkte der Staatsanwalt. "Die Bauern sind über die Mischverhältnisse oft besser informiert als die Tierärzte", konterte der Angeklagte. (APA)

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