"Ich filme nicht nach einem Konzept, ich filme Menschen"

15. März 2002, 11:48
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Hommage an die holländische Filmemacherin Heddy Honigmann bei der diesjährigen Diagonale

Graz - Mit zwölf Filmen widmet das Festival des österreichischen Films Diagonale in Graz heuer ein Sonderprogramm der niederländischen Filmemacherin Heddy Honigmann. Das umfassende Werk der Filmkünstlerin, die bei der Diagonale auch persönlich anwesend sein wird, ist damit erstmals in dieser Form in Österreich zu sehen.

Heddy Honigmann wurde 1951 als Tochter jüdischer Emigranten in Peru geboren, seit 1978 lebt sie in Holland. Ihr vielfältiges Werk reicht von Dokumentar- über Kurz- bis zu Spielfilmen. Sie selbst sagt über ihre Filme: "Thematisch ist mein Fokus reduziert: Ich mache Filme, weil ich die menschliche Kraft der Liebe, der Erinnerung und des Überlebenswillens entdecken möchte. Ich filme nicht nach einem Konzept, ich filme Menschen." Durch diese Konzentration eröffnet sich eine breite Palette von Zugängen und Themen, die Honigmann in die verschiedensten Länder der Welt führt.

Skandal um "Crazy"

In ihrem Film "Crazy" (1999) erzählen holländische UN-Soldaten verschiedenen Alters von ihren traumatischen Erlebnissen in Korea, Kambodscha, Ruanda oder Bosnien. Sie schildern, welches Musikstück ihnen beim Überleben am meisten geholfen hat. Durch die Musik werden die Erinnerungen wieder lebendig. In Holland löste der Film eine heftige Diskussion über die Mitschuld der holländischen UNO-Truppen an Kriegsverbrechen aus.

"2 Minutes Silence, Please"

In "2 Minutes Silence, Please" schildert Honigmann den 4. Mai in Holland, an dem jedes Jahr der Opfer während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg gedacht wird. Die Regisseurin fragt in diesem Streifen Menschen, was dieser Tag für sie bedeutet, welche Erinnerungen sie damit verbinden und wie sie den Gedenktag verbringen.

Erinnerungen in "Amor Natural"

In "Amor Natural" bittet Heddy Honigmann ältere Männer und Frauen auf den Straßen, den Stränden und in den Friseurläden von Rio de Janeiro, ein erotisches Gedicht des brasilianischen Lyrikers Carlos Drummond de Andrade vorzulesen. Beim Vortragen werden Erinnerungen an eigene erotische Abenteuer wach. Vital, offen und lustvoll erzählen Menschen, die zum Teil über 80 Jahre alt sind, über ihre Erfahrungen mit Sex und Erotik.

In den vergangenen Jahren richtete die Diagonale Hommagen an Christian Schocher (1998), Roland Klick (1999), Volker Koepp (2000) und Michael Klier (2001) aus. (APA)

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