Aids größere Bedrohung als "Schurkenstaaten"

15. März 2002, 07:18
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US-Präsident bezeichnet Epidemie als "Völkermord" und diskutiert mit U2-Sänger Bono über US-Hilfsinitiative

Washington - Der irische Rocksänger Bono und US-Präsident George W. Bush haben sich am Donnerstag zu einem Gedankenaustausch getroffen. Bei dem Gespräch im Weißen Haus ging es vor allem um die Ausbreitung der Aids-Epidemie sowie eine neue amerikanische Hilfsinitiative für die Dritte Welt.

"Ich bin eine Pest, ein Stein im Schuh vieler in dieser Stadt", sagte Bono bei einem anschließenden Pressegespräch. Zwar sei es für ihn als Rock-Star einfacher und schicker, vermummt auf die Barrikaden zu gehen. Er glaube aber, dass er mit Gesprächen auf politischer Ebene mehr bewirken könne.

"Bestimmende Krise unserer Zeit"

Der Rockmusiker nannte die Aids-Epidemie die "bestimmende Krise unseres Zeitalters". Sie stelle eine größere Bedrohung dar als die so genannten Schurkenstaaten, selbst als der irakische Diktator Saddam Hussein, sagte der Ire mit einem indirekten Seitenhieb auf den amerikanischen Präsidenten.

Bush, der Bonos Engagement lobte, bezeichnete die Epidemie Berichten zufolge als "Völkermord", ohne jedoch einen Verursacher zu benennen. Dabei habe der US-Präsident bildlich gesprochen, um das Ausmaß der Tragödie zu verdeutlichen, erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, später die Wortwahl des Präsidenten.

Während seines Besuches behielt Bono die ganze Zeit seine Sonnenbrille auf. Er verleihe sein Markenzeichen nicht mehr, nicht einmal an Bush, meinte der Sänger augenzwinkernd. Das letzte Mal habe er seine Brille an den Papst verliehen, und der habe sie behalten. (APA/AP)

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