Zwölf Jahre Haft für Vergewaltigung von jugendlichen Zöglingen

14. März 2002, 23:13
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Gericht im Elsass verurteilt 41-jährigen Heimleiter

Colmar - In einem Aufsehen erregenden Prozess um sexuellen Missbrauch von Jugendlichen in einem Heim für Schwererziehbare im Elsass ist dessen Leiter zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden.

Das Schwurgericht in Colmar befand den 41-Jährigen Donnerstag Abend für schuldig, seine Machtposition gegenüber den Jugendlichen missbraucht zu haben. Der Mann hatte mehrere Jahre lang mindestens sieben Buben im Alter von 14 und 18 Jahren zu homosexuellen Beziehungen gezwungen. Die Staatsanwaltschaft hatte 16 Jahre Gefängnis für den Angeklagten gefordert.

Der Angeklagte habe in dem abgelegenen Heim in den Vogesen wie ein Despot geherrscht, berichteten Sachverständige und Zeugen. Für seine Zöglinge, die meist von Jugendrichtern eingewiesen wurden, sei er "Chef, Vater, Liebhaber, Patriarch und Guru" zugleich gewesen. Sie hätten praktisch keine Möglichkeit gehabt, sich zu wehren. Das von dem Verurteilten gegründete Heim hatte sich in den 90er Jahren in Frankreich einen Ruf als letzten Ausweg für Jugendliche erworben, die nirgends sonst akzeptiert wurden.

Heimleiter war nicht pädagogisch ausgebildet

Vor Gericht wurde Kritik an den zuständigen Behörden laut, die das Heim nicht ausreichend überwachten. Der Leiter war von Beruf Schlachter und hatte keine pädagogische Ausbildung. Dennoch stellten sich mehrere Zeugen hinter den Angeklagten. Mit seinen harten Methoden habe der Leiter viele Jugendliche wieder auf den rechten Weg gebracht, sagte ein Richter aus. Von den sexuellen Übergriffen sei nichts nach außen gedrungen. Erst Jahre später erstattete einer der Jugendlichen Anzeige und brachte die Ermittlungen ins Rollen. (APA)

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