Lockerbie-Urteil bestätigt

14. März 2002, 21:44
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Libyscher Geheimagent schuld am Tod von 270 Menschen - Lebenslange Haft

Der schottische Gerichtshof, der 1998 im niederländischen Zeist eigerichtet wurde, um den Anschlag auf eine Pan-Am-Maschine über dem schottischen Lockerbie 1988 aufzuklären, hat am Donnerstag das Urteil aus erster Instanz bestätigt: Der frühere libysche Geheimagent Abdelbaset Al Megrahi ist schuldig und bleibt lebenslang im Gefängnis. Juristisch ist die Lockerbie-Katastrophe von 1988, bei der 270 Menschen ums Leben kamen, damit abgeschlossen.

Pan-Am-Maschine explodierte

Begonnen hatte sie am 21. Dezember 1988, als über dem schottischen Lockerbie eine Pan-Am-Maschine auf dem Flug von London-Heathrow nach New York explodierte. Textilreste aus jenem Koffer, in dem sich die Bombe befunden hatte, führten die Ermittler nach Malta. Ein maltesischer Boutiquenbesitzer identifizierte einen der Käufer, der sich als libyscher Geheimdienstoffizier erwies.

Nach heftigem internationalem Druck lieferte Libyen schließlich die zwei Verdächtigen Al Amin Fhimah und Abdelbaset Al Megrahi an ein Gericht aus, das speziell für den Lockerbie-Prozess im niederländischen Zeist eingerichtet, aber mit schottischen Berufsrichtern besetzt wurde. Am 31. Januar 2001 sprach es Fhimah überraschend frei. Megrahi, der zu lebenslänglich wegen 270-fachem Mord verurteilt wurde, ging in die Berufung.

Bombe in Malta

Sein Anwalt William Taylor hatte dabei vor allem ein As im Ärmel: einen Sicherheitsbeamten des Flughafens Heathrow, der kurz vor dem Start der Pan Am einen Einbruch in die Gepäckzone des Flughafens festgestellt hatte, aber in der Hauptverhandlung nicht angehört worden war. Bis dahin war es der Anklage gelungen, nachzuweisen, dass die Bombe in Malta aufgegeben und von den Transitflughäfen Frankfurt/Main und London/ Heathrow weitergeleitet worden war.

Das Gericht verwarf diese Auslegung. Zeitpunkt und Umstände des Einbruchs legten nahe, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Einbruch und dem Anschlag gegeben habe. Megrahi sollte nach dem Urteil zurück in ein schottisches Gefängnis gebracht werden. Der Präsident der libyschen Anwaltsvereinigung, Hafid Joya, erklärte nach dem Urteil, das Gericht habe politischem Druck nachgegeben. Es habe keine eindeutigen Beweise gegeben. (Klaus Bachmann, DER STANDARD Print-Ausgabe 15.März 2002)

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