Der Ort der Euthanasie

17. März 2002, 10:30
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Schloss Hartheim in Oberösterreich wird zur Gedenkstätte - bis zu 30.000 Menschen sollen dort während der NS-Zeit ermordet worden sein

Linz - Schloss Hartheim bei Eferding in Oberösterreich - ein Synonym für die Gräueltaten der Nationalsozialisten an behinderten Menschen - wird zur Gedenkstätte. Die Vorarbeiten für dieses zeitgeschichtliche und kulturelle Großprojekt laufen.

Der Ort

Hartheim zählt zu den bedeutendsten Renaissanceschlössern Oberösterreichs, seine jetzige Form geht auf das 17. Jahrhundert zurück. 1898 wurde dort ein Pflegeheim für geistig und mehrfach behinderte Menschen eingerichtet, bis 1938 wurde im Schloss Hartheim vorbildliche humanitäre Arbeit geleistet. Dann begann die Zeit der Verbrechen.

Das Pflegeheim wurde von den Nationalsozialisten aufgelöst, ab 1940 wurde das Schloss zur "Tötungsanstalt" im Rahmen des "NS-Euthanasie-Programms". Allein in den Jahr 1940 und 1941 wurden in Hartheim etwa 18.000 Behinderte sowie psychisch kranke Menschen systematisch getötet. Insgesamt dürften in Hartheim während der NS-Herrschaft rund 30.000 Menschen ermordet worden sein.

Die lange verdrängte Erinnerung

Nach dem Krieg diente das Schloss als Wohngebäude, 1997 startete das Land das "Projekt Hartheim", also die Sanierung des Schlosses und die Neugestaltung einer Gedenkstätte, verbunden mit einer Dauerausstellung zum Thema "Wert des Lebens". Auch die Oberösterreichische Landesausstellung im Jahr 2003 in Hartheim wird diesem Thema gewidmet sein. Bis dahin soll auch die Gedenkstätte fertig sein, deren Errichtung vom oberösterreichischen Landesarchiv wissenschaftlich betreut und vom Innenministerium voraussichtlich mit mehr als 700.000 Euro finanziell unterstützt wird.

Herbert Friedl, der künstlerische Gestalter der Gedenkstätte im Schloss Hartheim: "Ziel ist nicht die Rekonstruktion der Einrichtungen oder gar deren Inszenierung, sondern mit Hilfe einer distanzierten, abstrahierten Gestaltung Geschehnisse ins Gedächtnis zurückzurufen, und somit den Erinnerungsprozess in Gang zu halten".

Der Lernprozess

Schloss Hartheim soll aber auch zu einem "Lernort" werden, vor allem für junge Menschen. Neben der Gedenkstätte und der Schau "Wert des Lebens" wird auch eine wissenschaftliche Dokumentationsstelle eingerichtet, weiters eine Galerie für Kunst geistig behinderter Menschen, ebenso wird es Arbeits- und Seminarräume für Forschungszwecke geben.

Im Frühherbst vergangenen Jahres waren im Zuge der Bauarbeiten auch die sterblichen Überreste von Euthanasie-Opfer gefunden worden. Nach Abschluss der Arbeiten wird der gesamte äußere Hof von Schloss Hartheim zum Friedhof erklärt, dort werden die Überreste der Ermordeten im kommenden September feierlich bestattet.(APA)

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