"Die Menschen sind so sehr von ihrem Lebensstandard abhängig, dass sie eher den Untergang wählen als den Verzicht"

14. März 2002, 21:06
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Peter Sloterdijk sieht die "Verwöhngesellschaft" im Verfall ... doch ohne Einsicht

Darmstadt - Die "Verwöhngesellschaft" in den westeuropäischen Staaten zeigt nach Ansicht des Philosophen Peter Sloterdijk erste Verfallserscheinungen. Der Lebensstandard sei zwar unvermindert hoch, die Menschen könnten ihn jedoch nicht mehr ungestört genießen, sagte Sloterdijk am Donnerstag in Darmstadt beim 50-jährigen Jubiläum des hessischen Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW). Fast jeder mache sich Gedanken darüber, wo der Luxus herkomme. Damit sei der Verwöhneffekt entscheidend geschmälert.

Dieses Nachdenken führe allerdings nicht zu einer Verhaltensänderung, sagte der Philosoph. Vielmehr werde nach Wegen gesucht, wie die Energieverschwendung, die für den Luxus notwendig ist, auf Dauer sicher gestellt werden kann. Dieses Paradox soll nach Einschätzung von Sloterdijk in der Debatte um die Nachhaltigkeit der Energiegewinnung gelöst werden. "Die Forderung nach Energiesparen bedeutet doch nichts anderes als die Frage, wie man die Verschwendung billiger bekommt."

Eine Verwöhngesellschaft zur Bescheidenheit zu erziehen, hält der Philosoph für unmöglich. "Das wäre so, als wollte man eine Granate, die das Kanonenrohr verlassen hat, auf dem Verhandlungswege wieder zurückholen." Die Menschen seien so sehr von ihrem Lebensstandard abhängig, dass sie eher den Untergang wählten als den Verzicht.(APA/dpa)

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