Georg Wurmitzer, Kärntner VP-Chef und ein erprobter Widerpart Haiders

14. März 2002, 20:19
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Ein Sänger mit gutem Gehör für Dissonanzen

Man begegnet einander im Leben zweimal, um ausständige Rechnungen zu begleichen, besagt ein altes Gurktaler Sprichwort. Für den g'standenen Gurktaler Bauernsohn Georg Wurmitzer und seinen Widerpart Jörg Haider trifft dies unzweifelhaft zu.

Schon 1991, als Jörg Haider den folgenschweren Satz von der "ordentlichen Beschäftigungspolitik im Dritten Reich" fallen ließ, schlug Wurmitzer unvermittelt zu und bescherte Haider mit seiner Abwahl die schlimmste Niederlage seiner bisherigen politischen Laufbahn. Diesmal geht es nicht so einfach, denn Haider ist auf-grund der Mehrheitsverhältnisse im Kärntner Landtag nicht abwählbar. Der Zweikampf zweier politischer Antipoden ist aber geblieben.

Dabei will Wurmitzer in Jörg Haider "keinen Intimfeind" sehen. Aber er wartet, geduldig wie ein Jäger, bis ihm das Wild vors Visier tritt. So sehr hat Wurmitzer den Gegner bereits verinnerlicht, dass er "fühlt und spürt, was er vorhat". Deshalb könne ihn "der Bua" nicht täuschen.

Haiders Werdegang hat der 1943 geborene ausgebildete Hauptschullehrer und Vater zweier erwachsener Söhne von Anfang an miterlebt. In seinem Geburtsort Sirnitz herrschte damals der Huber-Clan, der im jungen Jörg den Hoffnungsträger seiner nationalen Träume sah. Diese Vorherrschaft, die zunächst seine engere Heimat umklammert hielt, zu brechen war stets die Leitschnur des politischen Handelns Wurmitzers.

Mit knapp 30 Jahren schaffte er es schließlich in seinem Wohnort Albeck bei Sirnitz, die politischen Machtverhältnisse umzukehren und den Bürgermeistersessel 26 Jahre lang für die ÖVP zu halten - ein selten gewordenes Kunststück in Kärnten.

1994 wechselte Wurmitzer in den Nationalrat, um 2000 nach dem Abgang seines unglücklichen Vorgängers Reinhold Lexer die Geschäfte der Kärntner ÖVP zu übernehmen, womit er wieder mit seinem einstigen Gegenspieler als Landeshauptmann konfrontiert war.

"Tue recht und scheue niemanden" steht als Motto über dem Eingang zu Georg Wurmitzers Bauernhaus, das er nach dem Tode seiner Eltern gemeinsam mit Gattin Gudrun geschmackvoll hergerichtet hat. "Er gibt nie auf, und er ist ungeheuer zäh", beschreiben ihn seine Parteifreunde. So mancher von ihnen in der Bundes-ÖVP legt diese Charakterzüge freilich derzeit als Sturheit und Unberechenbarkeit aus.

Denn Wurmitzer wird sich von seinem Weg, Haider das Leben politisch schwer zu machen, nie abbringen lassen lassen. Auch durch flehende Kanzlerbitten nicht, doch an die Koalition zu denken. Da muss selbst seine eigentliche Liebe, der Chorgesang und die Malerei, zurückstehen. Dazu sei auch Zeit, wenn er "Haider die Maske endgültig vom Gesicht gerissen" habe. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 3. 2002)

Von Elisabeth Steiner
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    foto: derstandard
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