Fidel im Franziskanerviertel

14. März 2002, 19:50
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Brau-Union präsentiert neues Lokal mit Kubaflair

Wien - Die Edelweißalm "ist gestorben". Es lebe Kuba, es lebe Fidel. Karl Pristl von der Brau-Union gab das endgültige Aus für das ungeliebte Bierlokal mit Alpenflair im Franziskanerviertel bekannt.

Stattdessen möchte die Brau-Union "ein Lokal mit Kuba- und Karibikflair. Es gibt dort - no, na - auch Bier", verspricht Pristl, zudem Cocktails und exotische Speisen. "Fidel" - Castro ist ungefragt Namenspatron - wird von einer Hamburger Investorengruppe ab sofort gebaut, im Sommer schon eröffnet.

Das Kubalokal wird mit 120 Sitz- und 50 Stehplätzen genauso groß werden, wie das anfangs geplante Bierlokal - sehr zum Missfallen von Anrainern und Mitgliedern einer Bürgerinitiative. Sie fühlen sich überrumpelt und fürchten, dass weitere Großbetriebe im Grätzel gebaut werden.

Im Bauausschuss des Bezirks wurde bereits die baurechtliche Umwidmung des Hauses Blumenstockgasse 5 abgesegnet, gestern Donnerstag, zeitgleich mit Bekanntgabe der neuen Pläne, wurde das Gewerbeverfahren positiv beschieden. Genehmigt wurde auch das Offenhalten bis zwei Uhr früh.

Ausgetrickst

Die Brau-Union habe es geschafft, dass den Anrainern die Parteienstellung in den Verfahren entzogen werde, man sei daher machtlos gewesen, bedauert Sprecher Norbert Abel. "Auch im Bauausschuss des Bezirks sind sie alle umgefallen und haben der Umwidmung zugestimmt" - entgegen den Versprechen von Franz Grundwalt, erinnert Abel den VP-Bezirkschef an ein Bürgertreffen letzten November. Grundwalt betont dagegen, er habe keine rechtliche Handhabe, das Projekt zu verhindern. Dafür ist er jetzt "recht froh, dass wir uns mit der Brau-Union auf ein anderes Konzept einigen konnten". Nicht gänzlich begraben sind laut Pristl allerdings die Edelweißpläne: Denn nach wie vor will die Brau-Union in der Wiener Innenstadt das Konzept umsetzen. "Wir prüfen derzeit drei bis vier alternative Standorte innerhalb des Gürtels." Konkretes will er nicht bekannt geben. Dem STANDARD gegenüber hat der Verkaufschef allerdings durchblicken lassen, dass "eine Lage am Donaukanal für unser Bierlokal sehr interessant ist". Etwa in der Gegend des Flex. Kann gut sein, dass schon bald Musikfreaks von dem Szenetreff auf ein Seidel in die Edelweißalm hinübergehen. (aw, DER STANDARD Print-Ausgabe 15.März 2002)

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