Japans Kreditmarkt trocknet aus

14. März 2002, 18:32
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Weltbank warnt vor Credit-Crunch - Regierung sieht Besserung auf Exportseite

Washington/Tokio - Die sich vertiefende Rezession in Japan und das wachsende Haushaltsdefizit birgt aus Sicht der Weltbank das Risiko eines ernsthaften "Credit-Crunch", dem die Zentralbank ohnmächtig gegenüberstehen könnte.

Wie die Weltbank in ihrem Bericht über die Weltwirtschaft mitteilte, haben die wachsenden Verluste der japanischen Firmen zu einem angespannten Finanzsystem geführt, weshalb die Banken zögerten, den Gesellschaften neue Kredite zu gewähren. Die Notenbank könne wenig dagegen tun, da die Leitzinsen faktisch bereits auf null gesenkt seien, ohne der Wirtschaft Impulse zu verleihen.

Die Weltbank hat ihre Prognose für die japanische Wirtschaft im Jahr 2002 gesenkt und erwartet nun eine Schrumpfung um 1,5 Prozent, nachdem sie zuvor (bei ihrer letzten Prognose im Oktober) noch ein Plus von 0,1 Prozent prognostiziert hatte. Auch in den Jahren 2003 und 2004 werde das Wachstum sehr schleppend verlaufen, hieß es.

Handelsüberschuss

Die japanische Regierung hingegen sieht erste Anzeichen für eine Besserung der wirtschaftlichen Lage. Erstmals seit Juni 2000 hat sie ihre Einschätzung der ökonomischen Verfassung des Landes am Donnerstag in ihrem jüngsten Monatsbericht für März nach oben korrigiert.

Die Wirtschaft stecke zwar weiterhin in einer schwierigen Situation, doch zeige sich in einzelnen Bereichen wie dem Export und der Industrieproduktion ein Erreichen der Talsohle. Im Jänner erlebte Japan einen Rekordanstieg seines Handelsüberschusses.

Wie das Finanzministerium bekannt gab, schnellte der Überschuss im Vergleich zum Vorjahresmonat um 424,4 Prozent auf 336,8 Mrd. Yen (drei Mrd. Euro). Das ist der erste Anstieg seit 19 Monaten und zugleich der schärfste seit Erstellung solcher Statistiken im Jahre 1985.

Weitgehend düster

Insgesamt beschränken sich die bisherigen Anzeichen für eine Besserung der wirtschaftlichen Lage in der zweitgrößten Wirtschaftsnation aber vornehmlich auf die Produktionsseite. In anderen Bereichen sieht es weiterhin düster aus.

So stieg die Zahl der Pleiten im Februar um 18,2 Prozent auf 1712 und damit auf den höchsten Stand für diesen Monat seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Angesichts der jüngsten Daten steuert Japan für das noch bis Ende dieses Monats laufende Geschäftsjahr 2001 auf den Nachkriegsrekord von 20.363 Pleitefällen im Jahre 1984 zu.

In ihrem kurzfristigen Ausblick verweist die Regierung auf die Sorge, dass die ernste Lage auf dem Arbeitsmarkt und bei den Einkommen sich weiterhin negativ auf den Privatkonsum und die Firmeninvestitionen auswirken wird, von denen eine Erholung der Gesamtwirtschaft maßgeblich abhängt. (vwd, dpa, DER STANDARD, Printausgabe 15.3.2002)

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