Der Offene Brief des Teams von ORF On

17. März 2002, 22:34
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Im Wortlaut

"Die von unserem neuen Direktor Ronald Schwärzler zuletzt in den Medien getätigten Aussagen (APA, 'DER STANDARD', 'Die Presse') haben allgemeine Fassungslosigkeit unter den Online-Redakteuren und -Mitarbeitern ausgelöst. Erstaunt sind hier alle über die offenkundig gewordene Unkenntnis des neuen Direktors über das ihm anvertraute Produkt, empört über die herabwürdigende Einschätzung der Tätigkeit aller Online-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter.

Schwärzler sagt: Er will das Online-Angebot des ORF nach vorne bringen.

Ist es derzeit hinten? Wahr ist: Der ORF ist - durch offizielle Marktforschungsdaten belegbar - die Nummer eins der österreichischen Online-Medien, ja führend auf dem deutschsprachigen Markt.

Schwärzler sagt: Das Internet wird vom ORF als nachgelagertes Medium gesehen, 'Inhalte werden zuerst in Radio und TV und dann erst online präsentiert'.

Wahr ist: Der ORF hat als einziges Online-Medium Österreichs (unter anderem dank des Nacht-Engagements der Teletext-Redakteure) eine 24-Stunden-Online-Redaktion, die so schnell arbeitet, dass sie von vielen anderen Medien nachweisbar als Agenturersatz genutzt wird. Bei Skirennen etwa werden die Ergebnisse im Minutenabstand aktualisiert, bei internationalen Großereignissen extra Nachtschichten gefahren. Kein anderes Web-Medium hat in ähnlicher Geschwindigkeit über den 11. September berichtet wie der ORF im Internet.

Pro Tag werden (nicht zuletzt auch dank der Online-Redakteure der Landesstudios, im Funkhaus, der Heiligenstädter Lände und der ON-Kernredaktionen) hunderte Storys publiziert, die schon allein aus Platzgründen nie im TV oder Radio erscheinen könnten. Was dabei nachgelagert sein soll, entzieht sich unserer Vorstellungskraft.

Schwärzler fordert öffentlich neue Angebote ein, z.B. SMS-Services. Tatsächlich bietet ORF ON diese Dienste seit geraumer Zeit an. Unsere Kunden kennen die ORF-Angebote im Internet scheinbar besser als der Direktor. Das von ihm als 'Killerapplikation' angedachte SMS-Radarfallen-Warnservice des ORF sollten wir eher als populistischen Impuls denn als öffentlich-rechtliches Angebot betrachten. Schwärzler sagt: In der Vermarktung von ORF ON will er rasch neue Ergebnisse zeigen.

Wie er unsere Angebote, die er zuvor öffentlich klein- und schlechtgeredet hat, in Zukunft besser vermarkten will, entzieht sich unserer Kenntnis.

Zusammengefasst muss man feststellen, dass Schnelligkeit und Qualität der Arbeit unserer Redakteure ohne ersichtlichen Grund öffentlich kritisiert und denunziert wurden. Das sind noch nie gehörte Worte aus dem Mund eines ORF-Geschäftsführers gegen die eigenen Leute und damit gegen das Unternehmen. Ohne das eigene Produkt zu kennen, ohne jemals mit Redakteuren und Mitarbeitern gesprochen zu haben, wurde deren Tätigkeit a priori herabgewürdigt.

Die Betroffenen fordern eine Klarstellung und haben die dringende Bitte, dass sich Herr Schwärzler fürderhin über das Produkt, für das er verantwortlich ist, informiert.

Sicher kann uns der Zentralbetriebsrat dabei Unterstützung gewähren.

Für den Betriebsrat der ORF-Teletext Produktionsgesellschaft mbH.

Georg Kurzbauer Vorsitzender des Betriebsrates

Hartmut Schöbitz Katharina Wagenhofer"

"Fassungslosigkeit" bei ORF On
... nach Statements des neuen Online-Direktors Ronald Schwärzler - User verwundert
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