Der "Urvater des Fax-Geräts" ist tot

14. März 2002, 15:30
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Rudolf Hell verstarb im gesegneten Alter von 100 Jahren

Kiel - Rudolf Hell, einer der bedeutendsten Tüftler des 20. Jahrhunderts, ist tot. Der Urvater des Fax-Geräts und des Scanners starb am Montag im Alter von 100 Jahren in Kiel, teilte die städtische Pressestelle am Donnerstag mit. Hells Erfindungen beschleunigten die weltweite Kommunikation und veränderten den Arbeitsalltag.

Der Wissenschafter und Erfinder hatte schon in den zwangziger Jahren die Idee, Texte und Bilder in Punkte und Linien zu zerlegen, um sie damit elektronisch übertragbar zu machen. Der Pionier der Nachrichtentechnik hatte am 19. Dezember 2001 seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Das erste Patent

Sein erstes Patent meldete der im bayerischen Eggmühl geborene Hell im Alter von 24 Jahren an: Mit der "lichtelektronischen Bildzerlegerröhre" erschuf der ehrgeizige Doktorand der Ingenieurwissenschaften einen elementaren Baustein für das spätere Fernsehen. 1929 promovierte Hell in München über ein "direktanzeigendes Funkpeilgerät" für die Luftfahrt, erster Schritt zur Entwicklung des Autopiloten.

Ein geerbtes Auto, das Hell für 3.000 Reichsmark verkauft hatte, lieferte 1929 das Grundkapital für seine erste Firma in Berlin. Im gleichen Jahr vollendete er jenes Meisterstück, das als Vorläufer des heutigen Telefax-Gerätes gilt: Die "Vorrichtung zur elektronischen Übertragung von Schriftzeichen", die als "Hellschreiber" berühmt wurde. Mit diesen ersten "Tickern" ließen sich Nachrichten in kurzer Zeit über den gesamten Globus verteilen - ein Meilenstein der Kommunikationstechnik.

Im Wirtschaftswunderland

Nach dem Krieg baute der findige Ingenieur sein Unternehmen in Kiel neu auf. Schnell expandierte der Betrieb und landete im Bereich der Text- und Bildverarbeitung einen Geniestreich nach dem anderen: So erfand Hell 1950 den "Klischografen", eine elektromechanische Graviermaschine, die den Druck von Bildern in Zeitungen erheblich beschleunigte. In den sechziger Jahren entwickelte er den "Cholographen", ein Urmodell des Farbscanners. Wenig später zerlegte er mit der "Hellcom-Digiset-Anlage", einer computergesteuerte Lichtsatzanlage, erstmals Zeichen in digitale Elemente. Damit ließen sich ganze Buchwälzer in weniger als einer halben Stunde setzen.

Triebfeder des Erfinders war stets die Faszination für die Technik, nicht für das Geschäft: "Ich habe nie etwas gemacht, nur um Geld zu verdienen. Es ging mir um den Fortschritt und die praktische Anwendung", hat er einmal gesagt. Hells Unternehmen, aus dessen Geschäftsleitung er sich als 70-Jähriger zurückzog, wurde in den achtziger Jahren zu einer hundertprozentigen Siemens-Tochter. Inzwischen gehört Hells Werk zur Heidelberger Druckmaschinen AG.

Hell, Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern, lebte zuletzt zurückgezogen in Kiel. An einem Festakt zu seinem 100. Geburtstag nahm der betagte Erfinder nur kurz teil.(APA/dpa)

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