Franz Wohlfahrt verläßt die Austria

16. März 2002, 13:24
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Dies bedeutet wahrscheinlich das Karriereende - Trotz der Erfolge hat der Kärntner "nicht das erreicht, was er wollte"

Wien - Bernhard "Franz" Wohlfahrt hätte sich wohl einen spektakulären Abgang von der Fußballbühne verdient. Nach verletzungsbedingten Problemen mit der Fitness, nach Ausmusterung bzw. Beurlaubung bei der Austria, nach längerem Hin- und Her war es nun so weit: Am Mittwoch wurde zwischen den Parteien Einigung erreicht, die Ehe Austria - Wohlfahrt ist endgültig beendet. "Wir haben eine klare und faire Lösung getroffen", meinte dazu Sportdirektor Peter Svetits, was auch der ehemalige Teamtorhüter bestätigt.

Noch kein definitives Karriereende

Dass das gleichzeitig auch das Ende seiner Karriere als Aktiver bedeutet, will der 37-Jährige allerdings (noch) nicht ganz zur Kenntnis nehmen. "Das lasse ich mir bis Sommer offen", sagte Wohlfahrt, der mit einem Team an seiner Fitness arbeitet. Über seine Zukunft werde er in den nächsten drei Monaten intensiv nachdenken, jedenfalls nicht vorzeitig die Weichen stellen. Er könne sich u.a. auch vorstellen, einmal auch als Tormanntrainer hobbymäßig zu arbeiten, den Jungen einiges zu lehren.

Erfolge en masse

Die Karriere des gebürtigen Kärntners kann sich sehen lassen. In gut 20 Jahren Profi-Fußball schaffte er u.a. insgesamt je sechs Meister- und Cupsiegertitel, war in einem Europacupfinale und hütete 59 Mal das Tor der österreichischen Nationalmannschaft. Diverse Verletzungen setzten ihm in jüngerer Zeit immer häufiger zu, wobei vor allem das linke Knie Probleme bereitete und ihn auch zum Aufhören zwang. Es wäre nicht der ehrgeizige Franz Wohlfahrt, wenn nicht auch trotz der vielen Höhepunkte seine vor allem das Team betreffende Aussage in Erinnerung ist: "Ich habe nicht das erreicht, was ich wollte."

Bei keinem WM-Spiel auf dem Rasen

Bei der WM-Endrunde 1990 von Josef Hickersberger wegen angeblich privater Probleme nicht berücksichtigt, von Herbert Prohaska wegen einer "Berührung" von Schiedsrichter Wieser in Salzburg für längerer Zeit auf Eis gelegt, musste Wohlfahrt auch bei der WM 1998 in Frankreich als Zuschauer von der Bank aus mitverfolgen, was der ihm vorgezogene Michael Konsel leistete. Das 0:5 am 14. November 2001 in Istanbul im zweiten Playoff-Treffen mit der Türkei beendete seine und seiner Kameraden Hoffnungen auf eine Teilnahme bei der Endrunde in Südkorea/Japan.

Debüt unter Barnko Elsner

Daraufhin erklärte Wohlfahrt auch das Ende seiner Teamlaufbahn, die am 18. August 1987 unter Teamchef Branko Elsner beim 2:2 in St. Gallen gegen die Schweiz begonne hatte, als er zur Pause für Klaus Lindenberger kam und kein Tor mehr kassierte. Die Teamkarriere hatte neben einigen Höhepunkten natürlich auch Ergebnisse wie das 0:9 in Spanien (Wohlfahrt: "Meine schwärzesten 90 Minuten") und das 0:5 in Israel und der Türkei beinhaltet. In seinen 59 Spielen kassierte er insgesamt 86 Tore, stand 21 Mal in der siegreichen und bei 15 Remis 23 Mal in der Verlierer-Partie.

Verdrängt von Mandl und Ziegler

Dass auch sein letztes Meisterschaftsspiel mit dem 2:4 am 23. September in Graz gegen den GAK verloren ging, schmerzt wohl auch etwas, anschließend durfte der verletzungsgeschädigte Wohlfahrt ja nicht mehr ran. Ihm und seinem Alterskollegen Wolfgang Knaller (40) war der 21-jährige Thomas Mandl, den inzwischen der Ex-Stuttgarter Marc Ziegler verdrängt hat (so schließt sich der Kreis), vorgezogen worden.(APA)

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