Kuschen wird belohnt

17. März 2002, 19:00
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US-Studie: Wer guten Glaubens Missstände in seiner Firma aufzeigt, hat eine 69-prozentige Chance auf Rausschmiss

Blacksburg/USA - Untersuchungen von SoziologInnen des Virginia Polytechnic Institute haben offenbart, dass MitarbeiterInnen, die auf Misswirtschaft und Fehlurteile aufmerksam machen, in US-Unternehmen nicht gefragt sind. Eine Studie zeigte, dass diesen MitarbeiterInnen Schikanen und Entlassungen drohen.

Den Vorgesetzten vertrauen kann verhängnisvoll sein

Die Soziologin Joyce Rothschild interviewte 500 FirmenmitarbeiterInnen über den Zeitraum von acht Jahren. Davon machten 300 das Unternehmen frühzeitig über grobes Fehlverhalten aufmerksam, 200 zählten zu den stillen BeobachterInnen. Das Ergebnis zeigte, dass 69 Prozent der Angestellten, die ihren Standpunkt offen bekundeten, gefeuert wurden. Das ungeachtet der Tatsache, dass die Vorfälle nur dem/der ChefIn mitgeteilt wurden. Von jenen, die Firmenskandale bei zuständigen Behörden meldeten, verloren 80 Prozent ihren Job.

Ob Ausbildung oder Dauer der Mitarbeit im Unternehmen - nichts wird Ihnen helfen

Wenn das gehobene Management einzelne MitarbeiterInnen ins Visier nahm, weil sie Missstände offenlegen könnten, litten die Betroffenen unter drastischen Folgen: 84 Prozent wurden depressiv, konnten dem Management nicht mehr länger vertrauen und hatten zu 53 Prozent Probleme im Privatleben. "Es begann ein Wettlauf, und Vorgesetzte versuchten, noch bevor MitarbeiterInnen das Unternehmen bloßstellen konnten, diese zu verunglimpfen", erklärte Rothschild. Die statistischen Daten zeigten, dass je größer der Umfang des möglichen Skandals rund um das Unternehmen schien, umso schneller zum "Vergeltungsschlag" ausgeholt wurde. Weder Geschlecht, Alter, Tätigkeitsdauer im Unternehmen noch die Ausbildung der MitarbeiterInnen spielten dabei eine Rolle.

Werte kosten - manchmal den Job

"Man fragt sich, was Menschen dazu bewegt, ein derart großes persönliches Risiko auf sich zu nehmen", so Rothschild. 79 Prozent der Betroffenen erklärten die Handlung, dass sie aufgrund ihrer persönlichen Werte nicht über Missstände hinwegsehen konnten. Einige argumentierten mit ihrem Sinn für Recht und Unrecht, andere mit ihrer religiösen Erziehung oder ihrem Berufsethos. "Aber in beinahe allen Fällen erklärten die Ex-MitarbeiterInnen, sie versuchten nur das Richtige tun", erklärte die Soziologin. 16 Prozent erklärten, dass sie Angst hatten, durch das Verschweigen von Fehlern der KollegInnen in Misskredit zu gelangen. Fünf Prozent konnten nicht erklären, warum sie ihre Kritik laut geäußert hatten.

Warnsignal

"Wir leben in einer Informationsgesellschaft, wo Organisationen äußerst komplex und undurchsichtig sein können", erläuterte Rothschild. ArbeitgeberInnen sollten aus Kritik lernen, auch wenn klar sei, dass Organisationen jeder Art dabei noch einen langen Weg vor sich haben. Aber anstatt kritische MitarbeiterInnen zu feuern, sollte die Weiterleitung von firmeninternen Unzulänglichkeiten als Warnsignal wahrgenommen werden. Abweichende Betrachtungen bzw. Hinweise auf Missstände seien oft ein Indiz dafür, dass das Unternehmen in Kürze in Schwierigkeiten stecken könnte. (pte)

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