Studie warnt vor hohen Verwaltungskosten

14. März 2002, 17:33
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Gegen Übertragungs-Streitereien Gesetz erforderlich

Wien - Knackpunkt der für 1. Juli geplanten Neuregelung der Abfertigung werden die Verwaltungskosten sein: Wenn für Inkasso und Datensammlung eine zentrale Einrichtung geschaffen und dabei auf bewährte Einrichtungen wie die Krankenkassen zurückgegriffen wird, kann die Nettoperformance der Mitarbeitervorsorge-Veranlagungen um mindestens einen Prozentpunkt höher sein, erklärten Vertreter des Beraters PricewaterhouseCoopers am Donnerstag. Für Übertragungen von Ansprüchen vom alten ins neue System sollten Mindestanforderungen gesetzlich normiert werden, um Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden. Den Beitragssatz von 1,53 Prozent der Lohnsumme werde die EU nicht als Abgabe ansehen, die die Abgabenquote erhöhe, so die PWC-Vertreter.

"Wenn es nicht gelingt, die administrativen Kosten in einem vernünftigen Rahmen zu halten, dann wird das neue System nicht funktionieren - dann wird die Performance uninteressant", betonte PWC-Österreich-Geschäftsführer Friedrich Rödler. Jeder Prozentpunkt Verwaltungskosten zusätzlich drücke die Performance rechnerisch auf lange Sicht um 0,3 Prozentpunkte, bei kürzeren Laufzeiten noch viel stärker. Entscheidung man sich bei Datensammlung und Inkasso bei den neuen Mitarbeitervorsorge-Kassen (MV-K) für viele dezentrale statt einer zentralen Lösung, könnten die Verwaltungskosten statt 3 Prozent oder darunter durchaus auf 5 bis 6 Prozent klettern - und damit die Performance um 1 Prozentpunkt drücken, rechnen die PWC-Experten vor: "In den Verwaltungskosten wird also der Teufel begraben sein."

"Kein Generalkollektivvertrag nötig"

Daher sollte möglichst der "sehr gut eingespielte Apparat" der Krankenkassen genutzt werden. Deren bisher genannter Kostensatz von 0,7 Prozent könne dabei sicher unterboten werden, da er sich auf die Gegenwart beziehe und künftig ungleich höhere Volumina abzuwickeln seien, die die Grenzkosten deutlich senken würden. In den Lohnbüros der Unternehmen sei überhaupt nur eine Buchungszeile mehr notwendig.

Dass die EU den Beitragssatz von 1,53 Prozent als eine Abgabe qualifizieren wird, die die österreichische Abgabenquote noch weiter erhöht, glauben die PWC-Experten nicht: "Dem wirtschaftlichen Gehalt nach ist es völlig klar, dass das keine Abgabe ist, sondern ein Einkommensbestandteil", sagt Rödler. Dies sei der EU bei gutem Willen auch klar zu machen. Aus Angst vor einer neuen "Abgabe" will die Regierung den Beitragssatz wie berichtet ja in einem eigenen Generalkollektivvertrag regeln, was laut PWC aber nicht nötig ist.

Mindesterfordernissen

Für die Übertragungen von Abfertigungsansprüchen ins neue System der Mitarbeitervorsorge-Kassen sollte unbedingt ein Katalog von Mindesterfordernissen gesetzlich reglementiert werden, um nicht die einzelnen Arbeitnehmer betreffend die Bewertung ihrer Ansprüche im Falle einer Uneinigkeit mit ihrem Dienstgeber auf den Zivilrechtsweg zu verweisen. Bei einer freien vertraglichen Vereinbarung, wie sie derzeit von der Regierung geplant ist, würden Arbeitnehmer nämlich nicht immer das ihnen zustehende Recht erhalten, so die PWC-Experten.

Positiv am neuen System seien die zahlreichen Vereinfachungen für Arbeitgeber, auch die Liquidititätsproblematik im Abfertigungsfall vor allem für Klein- und Mittelbetriebe gehöre der Vergangenheit an. Zudem werde die Mobilität der Arbeitnehmer entscheidend gefördert, da eine Selbstkündigung nicht mehr durch den Dienstgeber "ponalisiert" werden könne. Mit der steuerlichen Begünstigung von Übertragungen sei ein deutlicher Anreiz zum Umstieg auf das neue System gesetzt worden.

Bei einer Nettorendite von 3,5 Prozent würden laut PWC nach dem neuen System nach 40 Berufsjahren etwas mehr als 8 Monatsbezüge an Abfertigung herausschauen, bei 5,5 Prozent sogar 12 Monatsbezüge. Allerdings seien schon 5 Prozent Nettorendite im Jahr "eine sehr optimistische Annahme, die erst einmal erreicht werden muss". Ihre Studie zum aktuellen Stand der "Abfertigung neu" hat PWC anhand zahlreicher Gespräche mit betroffenen Interessensvertretungen und Institutionen wie AK, ÖGB, Banken und Versicherungen erarbeitet. (APA)

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