Banken wollen Premiere einstellen

14. März 2002, 13:47
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Koflers Sanierungspläne werden laut "SZ" abgelehnt - Kirchs Filmbibliothek verliert an Wert

Die Mehrheit der Banken der hoch verschuldeten Kirch-Gruppe soll auf eine rasche Einstellung des Abosenders Premiere dringen. Die Pläne des neuen Premiere-Chefs Georg Kofler, den defizitären Sender in zwei Jahren in die Gewinnzone zu bringen, sei von den meisten Gläubigern ablehnend aufgenommen worden, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Die Verluste bei Premiere sind einer der Gründe der Finanzkrise bei Kirch.

Auch ein Premiere-Betriebsrat wurde vom Berliner "Tagesspiegel" mit den Worten zitiert, die Banken seien für die Schließung. Um den Sender zu retten, müsste Kirch die Lieferverträge für Filme und Sportveranstaltungen neu verhandeln und zudem einen neuen Gesellschafter finden. Vertreter von Hollywood-Studios hatten laut "Süddeutscher Zeitung" in München aber auf die Erfüllung der bestehenden Verträge gepocht und einen Einstieg bei Premiere abgelehnt.

2.400 Mitarbeiter

Der Sender, der rund 2.400 Mitarbeiter beschäftigt, macht nach Konzernangaben jährlich mehr als 600 Mill. Euro Verlust, nach Medienberichten sogar über 800 Mill. Euro.

Stellenabbau von 30 Prozent

Koflers Sanierungsplan sieht laut "Tagesspiegel" einen Stellenabbau von 30 Prozent - mehreren hundert Mitarbeitern - vor. "Wie fühlen uns verraten und verkauft", sagte ein Betriebsrat.

Eine Hiobsbotschaft für die Banken meldete die "Süddeutsche Zeitung" aus Kirchs Filmbibliothek: Sie sei nach einer Expertise gegenwärtig nicht mehr 1,7 Milliarden Euro wert, sondern nur noch 320 Millionen Euro. Viele große Filmpakete seien am Markt derzeit kaum verkäuflich.

Abspecken

Der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser äußerte sich zuversichtlich, dass rationales Handeln aller Beteiligten in den nächsten Wochen zu einer guten Lösung führen werde. Die Staatsregierung wünsche den Erhalt des Kirch-Konzerns, wenn vielleicht auch in abgespeckter Form.

Die halbstaatliche Bayerische Landesbank, mit Krediten über 1,9 Milliarden Euro größter Finanzier des Münchner Medienunternehmers, sei mit den größten deutschen Banken "in guter Gesellschaft". Der Milliarden-Kredit der Landesbank für den Kauf der Formel-1 sei stabil abgesichert durch Formel-1-Rechte, Media-Sicherheiten und nachrangige Sicherheiten an Kirchs Springer-Aktienpaket.

"Das wird so oder so nicht das Landesbank-Problem sein, diese Formel-1", sagte Faltlhauser im Münchner Club Wirtschaftspresse. Der Kreditausschuss der Landesbank habe den Kredit seinerzeit einstimmig beschlossen, sagte Faltlhauser, der stellvertretender Verwaltungsratschef der Bank ist. (APA/AP)

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