Ein Preis für Craig Venter - und Kritik im Vorfeld der Verleihung

14. März 2002, 13:40
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Frankfurt/Main - Der amerikanische Gen-Pionier und Firmengründer Craig Venter hat am Donnerstag in Frankfurt den Paul Ehrlich und Ludwig Darmstaedter-Preis erhalten. Der 55-Jährige hatte die Entzifferung des menschlichen Erbguts maßgeblich vorangetrieben. 2001 veröffentlichten die von Venter initiierte Firma Celera Genomics und der konkurrierende öffentliche Forscherverband zeitgleich ihre Ergebnisse in Fachjournalen.

Lob für Besessenheit

Die Staatssekretärin im Berliner Bundesgesundheitsministerium, Gudrun Schaich-Walch (SPD), und der Vorsitzende des Stiftungsrates, Hilmar Kopper, überreichten den mit gut 61.000 Euro dotierten Preis in der Frankfurter Paulskirche. "Ohne Venters Besessenheit hätte der Wettlauf weder ein so schnelles noch ein so harmonisches Ende gefunden", sagte Kopper.

Venter habe mit seiner "Schrotschuss-Technik" die Entzifferung von Erbgut stark beschleunigt, sagte der Laudator, Abner Notkins, (Bethesda, USA). Zuvor sei die Sequenzierung nur sehr langsam vorangegangen. Venters Methode zerlegt das gesamte Genom in kleine Teile und setzt diese am Computer wieder zusammen. Bevor er sich dem Menschen zuwandte, habe Venter bewiesen, dass die Methode funktioniert, indem er das Erbgut von Krankheitserregern und anderen relativ einfachen Lebewesen entschlüsselte. "In wenigen Jahren hat der automatisierte Schrotschussansatz mehr Daten geliefert als zuvor in der gesamten wissenschaftlichen Literatur existiert hatten."

Venters Dank

Venter sagte, er fühle sich geehrt, als Ehrlich-Preisträger in einer Reihe zu stehen mit vielen bedeutenden Forschern. 13 der 50 Preisträger haben einen Nobelpreis bekommen. Die Gentechnik dürfe nicht dazu missbraucht werden, Menschen zu benachteiligen, sagte Venter. Es müsse verhindert werden, dass Versicherungen oder Arbeitgeber Menschen ausschlössen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit an bestimmten Krankheiten erkrankten. Er sei sicher, dass die Gentechnik die Medizin entscheidend voranbringen werde.

Völlig neue Möglichkeiten hat Venter nach Ansicht der Staatssekretärin der Medizin eröffnet: "Die Informationen aus der Genomforschung werden dazu beitragen, die Funktion von Krankheitserregern besser zu verstehen und dieses Wissen für bessere Therapien zu nutzen." Die Erkenntnisse dürften nicht "zu Diskriminierung und Stigmatisierung" führen. Die Regierung werde dies gesetzlich verhindern.

Kritik an Würdigung

Im Vorfeld gab es Kritik an der Nominierung des Wissenschafts-Unternehmers. "Venter bekommt den Preis zu Unrecht", sagte der Koordinator des Deutschen Humangenomprojekts (DHGP), Helmut Blöcker. Die Begründung der Jury treffe "in ganz wesentlichen Punkten" nicht zu. Es sei unzutreffend, dass Venter eine neue Methode entwickelt habe. "Diese Behauptung ist falsch", sagte Blöcker. Das Sequenzieren sei lange bekannt gewesen. Venters Schrotschusstechnik sei unbrauchbar. Sie habe ein zu hohes Fehlerrisiko, weil sie Wiederholungen im Erbgut nicht berücksichtige.

Venter ging in seiner Dankesrede auf seine Kritiker ein: "Bedeutende Entdeckungen bauen auf den Entdeckungen anderer auf", sagte er. Sein Erfolg gründe in seinem Willen, "etwas um der Wahrheit willen zu riskieren." Als junger Forscher habe er zehn Jahre damit verbracht, ein einziges Gen zu isolieren. Das habe ihn veranlasst, nach einer schnelleren Methode zu suchen.

Der Preis

Paul Ehrlich (1854- 1915) entwickelte das erste Mittel gegen Syphilis und gilt als Entdecker der modernen Therapie von Infektionskrankheiten, 1908 erhielt er den Nobelpreis für Medizin. Der Wissenschaftshistoriker Ludwig Darmstaedter (1846-1927) wurde vor allem mit seiner Sammlung von Manuskripten bedeutender Forscher bekannt. Die Auszeichnung, die zu den renommiertesten deutschen Wissenschaftspreisen zählt, wird vom Bundesgesundheitsministerium und aus Spenden finanziert. Die Paul Ehrlich-Stiftung ist eine Vereinigung von Förderern der Goethe-Universität Frankfurt. (APA/dpa)

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