Österreichs Energieversorger rittern um Behördenfunknetz "Adonis"

14. März 2002, 13:33
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Vorentscheidung im März

Im Rennen um die Errichtung und den Betrieb des österreichischen Behördenfunknetzes Adonis könnten demnächst weitere österreichische Energieversorger mitstreiten. Derzeit ringen bereits die Wiener Stadtwerke gemeinsam mit Siemens im Joint Venture master-talk und die burgenländische BiWAG mit der Telekom Austria im Konsortium Walky Talky Telecom um den Auftrag. Sollte master-talk Ende März in die enge Wahl kommen, schließt Siemens-Vorstand Franz Geiger aber auch den Einstieg der niederösterreichischen EVN und anderer heimischer Energieversorger nicht aus.

Wöchentliche Gespräche

Derzeit führt das Innenministerium wöchentlich Gespräche mit allen drei Bewerbern - neben master-talk und Walky Talky Telecom auch das Bieterkonsortium Tetratel um die Flugüberwachung Austro Control, Kapsch und Motorola. Voraussichtlich in der vierten Märzwoche wird das Ministerium aus den drei Bewerbern einen auswählen. Mit diesem Bewerber will das zuständige Ressort in die Endverhandlungen gehen.

Gerüchten zufolge will das Ministerium den im März ausgewählten Anbieter auffordern, mit dem zweitplatzierten Bewerber über eine Zusammenarbeit zu verhandeln. Der Zuschlag wird voraussichtlich Ende April fallen.

Für das geplante Behördenfunknetz müssen österreichweit mindestens 1.300 Sendestationen errichtet werden. Die Kosten liegen bei rund 300 Mill. Euro. "Von den 300 Mill. Euro Investition sind 270 Mill. Euro auch privat nutzbar", meint Siemens-Vorstand Geiger. Siemens schätzt das Potenzial - alle Einsatzorganisationen und private Nutzer, etwa auch die EVU, eingerechnet - auf etwa 250.000 Anwender.

"Neutral"

Das Ministerium hat als Benutzer allerdings vorerst ausschließlich die Polizei und die Gendarmerie mit zusammen rund 24.500 Teilnehmern laut Ausschreibung zugesichert. Geplant wird auch die Einbindung aller Blaulichtorganisationen (Rettung, Feuerwehr, Rotes Kreuz, Bergrettung, ...). Ob auch kommerzielle Nutzer zugelassen werden, ist laut Geiger noch offen. Die Haltung des Ministeriums sei dazu "neutral", so Geiger am Rande der Computermesse CeBIT.

Technisch sei die gleichzeitige kommerzielle Nutzung des Behördennetzes kein Problem. Sich diesen Nutzen entgegehen zu lassen, sei technischer und sicherheitspolitischer Unsinn, sagte Geiger. Wenn das Ministerium nur 24.500 Teilnehmer zulassen wolle, würden die Tarife entsprechend höher ausfallen.

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