"Vertuschung" der AUVA bei Asbesttoten

14. März 2002, 13:08
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Grüne fordern rückwirkende Begutachtung der Fälle und Ausweitung der Vorsorgeuntersuchungen

Wien - Schwere Vorwürfe gegen die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) erhob am Donnerstag der Grüne Sozialsprecher Karl Öllinger im Zusammenhang mit berufsbedingt an Asbest erkrankten Personen. Demnach hätten Gutachten der AUVA "in hunderten Fällen" gegen die Betroffenen entschieden, in dem sie die schweren gesundheitlichen Schäden nicht als Berufskrankheit anerkannt hätten. Durch die Ablehnung der Anträge auf Versehrtenrenten hätte sich die Versicherung laut Öllinger "enorme Kosten erspart".

Die Grünen fordern diesbezüglich die neuerliche Begutachtung der abgelehnten Anträge und eine Ausweitung der Vorsorgeuntersuchungen. Größtes Problem bei Menschen, die beruflich mit Asbest in Kontakt kommen: "Ein Ende der beruflichen Tätigkeit bedeutet auch das Ende der regelmäßigen Untersuchungen. Dabei haben die meist tödlichen Erkrankungen eine Latenzzeit von bis zu 50 Jahren", so Öllinger.

Rippenfellkrebs

"Pleuramesotheliom", der Rippenfellkrebs, sei eine "sehr seltene Krebsart", die fast ausschließlich bei Personen auftritt, die über längere Zeit mit Asbest zu tun haben. Diese Krankheit sei laut Öllinger "immer noch unheilbar und sehr schmerzhaft". Der Grünpolitiker beschuldigt die AUVA, ihre Statistiken vorsätzlich geschönt zu haben und droht nun sogar mit strafrechtlichen Schritten. Die tatsächliche Zahl der an asbestbedingten Krankheiten verstorbenen Menschen sei "wesentlich höher" als jene in der AUVA-Statistik.

Bereits an Rippenfellkrebs erkrankte Personen haben nach Ablehnung ihres Antrags auf Unfallrente zwar die Möglichkeit zu berufen: "Aber das ist ein langwieriger und kräfteraubender Vorgang - für einen Todkranken eine unzumutbare Belastung", so Öllinger. "Die AUVA soll sich auch um die psychischen und sozialen Bedürfnisse der Betroffenen kümmern."

International anerkannte Studien rechnen mit einer halben Million Asbesttoter in Europa bis 2030. Dabei entfällt je eine Hälfte auf Lungenkrebstote, die andere auf Mesotheliome. In den nächsten 30 Jahren werde es nach Angaben von Öllinger "mindestens 4000 Tote durch Asbest" geben. Einen Beweis für die "skandalösen Gutachten" der AUVA wollen die Grünen in den nächsten Wochen nachreichen. (APA)

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