Entschädigung für Urlaubsleid

15. März 2002, 10:56
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Für entgangene Urlaubsfreude gibt es künftig Geldersatz - Österreichisches Recht muss angepasst werden

Luxemburg/Brüssel - Entgangene Urlaubsfreude muss künftig mit klingender Münze ersetzt werden. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) stellte am Dienstag in Luxemburg fest, dass die derzeitige Rechtslage in Österreich, die dies verhindert, dem EU-Recht widerspricht. Damit kommen nun auch österreichische Reisende erstmals in den Genuss einer Regelung, nach der ihre deutschen Nachbarn schon seit Jahren für verdorbene Ferien entschädigt werden.

In dem Fall, den die Luxemburger Richter jetzt entschieden haben, hatte die österreichische Familie Leitner beim Veranstalter TUI einen zweiwöchigen Pauschalurlaub in einem Klub in der Türkei gebucht. Vom Essen dort bekam Tochter Simone eine Salmonellenvergiftung und musste mit Durchfall und Erbrechen den halben Urlaub im Bett verbringen - die Ferien waren gründlich verdorben. Zurück daheim, klagte Simone Leitner den Reiseveranstalter, ihr die entgangene Urlaubsfreude in Geld zu ersetzen.

Die österreichischen Richter sahen sich aber zu einem entsprechenden Urteil nicht in der Lage, da das österreichische Recht einen solchen Ersatz "immaterieller Schäden" nicht erlaubt. Das Landesgericht Linz legte daher den Fall dem Europäischen Gerichtshof zur Entscheidung vor.

Der stellt nun fest, dass die EU-Pauschalreiserichtlinie von 1990 auch in Österreich dem Konsumenten in solchen Fällen ein Recht auf Schadenersatz gibt. Die Richtlinie räumt diesen Anspruch nämlich auch für Schäden ein, "die nicht Körperschäden sind".

Dahinter steht der Gedanke, dass der Genuss des Urlaubs heutzutage als kostbares Gut gilt - schließlich steht jedem nur eine begrenzte Anzahl von Ferientagen zur Verfügung, um sich von der Arbeit zu erholen. Wird einem also der wohlverdiente Urlaub durch Verschulden des Reiseveranstalters verdorben, muss dieser dafür bezahlen.

Verzerrter Wettbewerb

Die europäischen Richter weisen in ihrem Urteil auch darauf hin, dass bereits eine Reihe von anderen EU-Staaten - darunter Deutschland - die europäischen Vorgaben in diesem Sinne verbraucherfreundlich umgesetzt hat. Geschehe dies nicht in allen Ländern, so die Ansicht des EuGH, so würde das eine Wettbewerbsverzerrung innerhalb der EU bedeuten. (Der Standard, Printausgabe, Jörg Wojahn)

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