"Prager Fenstersturz" von 1948 könnte Mord gewesen sein

14. März 2002, 20:04
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Wissenschaftliches Gutachten wirft neues Licht auf Tod des damaligen Außenministers Jan Masaryk

Prag - Der mysteriöse Fenstersturz des früheren tschechoslowakischen Außenministers Jan Masaryk im Jahr 1948 könnte Mord gewesen sein. Das geht nach Prager Zeitungsberichten vom Donnerstag aus einem neuen wissenschaftlichen Gutachten hervor.

Der Sohn von Staatsgründer Tomas Masaryk (1850-1937) war am 10. März 1948 tot auf dem Straßenpflaster, 15 Meter unter einem Fenster des Prager Außenministerium, gefunden worden. Da der damals 61-Jährige den Kommunisten unbequem war, war ein Mord nie ausgeschlossen worden. Mediziner hatten aber darauf verwiesen, dass Masaryk an starken Depressionen gelitten hatte.

Die Lage von Masaryks Körper und die Verletzungen deckten sich jedoch nicht mit einem freiwilligen Sprung aus dem Fenster, sagte der Wissenschaftler Jiri Straus: "Selbstmord ist ausgeschlossen." Beim Prager Amt zur Untersuchung kommunistischer Verbrechen (UDV) wurde die Studie am Donnerstag mit Zurückhaltung aufgenommen. "Wir werden das Ergebnis analysieren, aber so oder so wird wohl niemand angeklagt werden können", sagte ein Mitarbeiter.(APA/dpa)

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